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Philae Tempel - Reisebericht Ägypten 1

Besichtigung Philae Tempel in Assuan

Wir fahren am östlichen Ufer mit einem Minibus, vorbei an islamischen Friedhöfen, nach Süden. Die Stadt Assuan ist viel größer als wir annahmen, ca. 241.000 Menschen wohnen hier. Eigentlich verbindet man den Namen der Stadt hauptsächlich mit dem Staudamm, der hier in den 60er Jahren erbaut wurde. Die Provinzhauptstadt Nubiens ist eine sehr afrikanische Stadt, die Menschen hier sind zumeist Nubier, ein stolzes Volk mit dunkler Haut, edlen schmalen Gesichtszügen und blendend weißen Zähnen. Viele von ihnen mussten ihre Heimat verlassen, die heute auf dem Grund des Stausees liegt.

Wir fahren über den alten Staudamm, der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts von den Engländern erbaut worden war. Schon dieser verhältnismäßig kleine Staudamm bewirkte, dass der Isis-Tempel auf der Insel Philae während 10 von 12 Monaten pro Jahr unter Wasser stand.

Als dann in den 60 Jahren der Hochstaudamm von Assuan erbaut wurde, wären alle nubischen Tempel für immer in den Fluten des Stausees versunken, erklärt uns unser ägyptischer Reiseleiter Hamdi. Die Tempel, zu denen auch die Felsentempel von Abu Simbel gehören, die wir morgen besichtigen werden, wurden mit Hilfe der Unesco auf höheres Gelände umgesetzt. Ich halte Hamdi für ein wandelndes Geschichtslexikon, denn er weiß einfach alles und bringt das auch noch mit Humor rüber, ohne belehrend zu wirken. Er gibt nicht nur Informationen über die wechselvolle Geschichte Ägyptens, sondern erzählt auch über das Leben im heutigen Ägypten, seine Probleme und seine schönen Seiten.

Mit einem Motorboot fahren wir zur Insel Agilkia, dem heutigen Standort des Isis-Tempels, der traumhaft schön auf der Insel liegt. Niemand käme auf die Idee, dass er nicht schon immer hier gestanden haben sollte. Dieser Tempel stammt aus der Zeit der Ptolemäer, das waren Griechen, die nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen die Macht am Nil innehatten. Weil sie aber klug waren, haben sie den Ägyptern nicht die eigene Religion übergestülpt, was sicher zu Aufständen geführt hätte, sondern sich nahtlos in das bestehende Göttersystem eingefügt.


Film - Philae Tempel mit Kiosk des Trajan


Philae Tempel mit dem Kiosk von Traja auf der Insel Agilkia

Hier befinden wir uns bereits auf dem Rückweg von der Insel Agilkia mit dem Philae Tempel, oder auch Isis Tempel genannt, und dem Kiosk des Trajan, ein 14-säuliger Bau am Ostufer der Insel. Er ist eine Kombination aus ägyptischer und antiker Architektur.

Das Wort Kiosk kommt aus dem Türkischen und war die frühere Bezeichnung für einen Vorbau orientalischer Paläste / Tempel.


Der Rundgang auf der Insel führt uns über die etwas verschobene Achse des Tempels in den Innenraum mit dem Allerheiligsten. Auffallend sind hier die Zerstörungen an den Reliefs, besonders auch am Pylon. Es scheint unterschiedliche Meinungen darüber zu geben, wer der oder die Übeltäter waren. Die offizielle Lesart ist, dass die frühen Christen die Reliefs beschädigten, weil sie diese als heidnisch betrachteten. Vor der Säulenhalle steht eine Replik des berühmten Steins von Rosetta aus schwarzem Granit, mit einem Text in hieroglyphisch, demotisch und griechisch, der es dem Franzosen Jean-François Champollion ermöglichte, die Hieroglyphen zu entschlüsseln. Wir machen einen Rundgang über die idyllische Insel, vorbei am Kiosk des Trajan, zurück zur Anlegestelle, wo Kinder Ketten aus duftenden Gewürzen und Hölzern anbieten. Von hier aus, bei der Sitzgruppe für die Ton- und Lichtshow, kann man nochmal eine Komplettaufnahme vom Tempel mit Kiosk machen. Die Insel mit dem Tempel, dem See drumherum und der blaue Himmel - Idylle pur!

Weiterfahrt zum Hochstaudamm von Assuan.