Reisebericht Ägypten - Quelle des Nil

Auf der Suche nach der Quelle des Nils

Teil 1

Zugegeben: Die hier beschriebene Reise ist schon ein paar Jahre her. Doch vieles in Afrika ist nicht so schnelllebig wie bei uns, behält also länger seine Gültigkeit, und Afrika, das Echte, das Wahre – ja, das haben wir erlebt.

Wenn ein Europäer den Nil entdecken will, dann beginnt er im Norden. So auch wir: In Kairo. Das etwa 25.000 km² großen Nildelta hat der mächtige Strom hier noch vor sich, uns interessierten die 6.500 km, die der längste Fluss der Welt in Kairo schon bewältigt hat. (Die Quelle des Amazonas ist nicht klar definiert, manche halten diesen daher für den längeren Fluss).

Nilaufwärts also. Zunächst mit dem Zug. Die Tickets für die dritte Klasse kosten so gut wie gar nichts, entsprechend innig fällt der (Körper)Kontakt zu den Mitreisenden aus. Und zum ungepolsterten Gestühl. Die Fahrt nach Assuan bietet Zeit genug, noch einmal die Nil-Fakten zu rekapitulieren.

Der Nil entspringt aus dem Viktoriasee, doch ist dies keineswegs seine Quelle. Irgendwo in den Bergen zwischen Ruanda und Burundi, Uganda und dem Kongo liegt sein Ursprung. Damals wussten wir noch nicht, dass ein Rinnsal mit dem schönen Namen Luvironza der anerkannte Quellfluss des Nils ist. Er entspringt wenige Kilometer östlich des Tanganjikasees in Burundi, wird durch Zuflüsse zum Kagera, der in den Viktoriasee mündet, dahinter zum Viktoria-Nil und nach Passieren des Albertsees zum Albert-Nil. Im Süd-Sudan heißt der Fluss Bahr al-Jabal, der anschließend im ‚Sudd’ verschwindet, einem schier grenzenlosen Sumpf, in dem die Hälfte seines Wassers verdunstet.
Dahinter trifft er mit dem Bahr al-Ghazal zusammen und heißt nun Weißer Nil. In Khartum vereinigt er sich mit dem aus Äthiopien herabfließenden Blauen Nil und wird nun zum eigentlichen Nil. Auf seinem Weg nach Ägypten liegen die berühmten sechs Katarakte, von denen es heute nur noch vier gibt, da die beiden obersten im Nassersee ertrunken sind. Diese Stromschnellen aus Granit waren und sind ein ernsthaftes Hindernis für die Schifffahrt.
In Oberägypten beginnt die Karriere des Nil, er bildet hier eine bis zu zwanzig Kilometer breite, fruchtbare Senke, ohne die es Ägypten nicht geben würde. Schließlich, kurz hinter Kairo, fächert er sich in sein Delta auf und erreicht nach 6671 Kilometern das Mittelmeer.

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