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Reisebericht Ägypten - Quelle des Nil

Der Weg ist das Ziel

Teil 4

Festes Land! Eine Straße! Der Bus bringt uns nach Juba, in die Hauptstadt des Süd-Sudan. Ringsum ist nicht nur Rebellenland, sondern vor allem die Heimat der Dinka, stolzer, hochgewachsener Menschen, die ihre Speere scheinbar nie aus der Hand legen. Wir nähern uns respektvoll einem ihrer Dörfer, dürfen es betreten, werden in eine Hütte eingeladen und mit selbstgebrautem Bier beköstigt. Das haben andere auch getrunken, mit rot unterlaufenen Augen erscheinen junge Krieger im Hütteneingang, fuchteln mit ihren Speeren und beschimpfen uns. Rücken an Rücken verlassen wir das Dorf.

Ein Seitenarm des Nil lädt zum Bade. Am anderen Ufer lockt ein herrlicher Sandstrand. Es gibt Krokodile, aber nichts ist zu sehen – wir waten hinüber. In der Mitte des Flusses schnappt die Falle zu. Ich habe das Gefühl, als schlösse sich eine stählerne Zange um meinen Fuß. Nie im Leben habe ich mich mehr gefürchtet. Es waren keine Kiefer, es war kein Krokodil, sondern ein Zitteraal. Der Stromschlag fühlte sich so mächtig an. Glück gehabt.

Weiter geht es nach Süden, nach Nimule, an die Grenze von Uganda. Ein leerer LKW nimmt uns mit, hinten auf der Ladefläche rumpeln wir begeistert durch das sanft hügelige, saftig tropische Land. Wenn wir anhalten, bieten uns Kinder Chamäleons an, festgebunden an ein Stückchen Holz. Ich habe nie erfahren, ob das Haustiere sein sollten oder eine Bereicherung des Speisezettels.
In Uganda scheint manchmal die englische Kolonialzeit noch lebendig. Das Land liegt etwas höher, ist also kühler, endlose Teeplantagen umrahmen Herrenhäuser. Endlich erreichen wir den Viktoriasee und wenden uns westwärts, der Ruwenzori ist unser Ziel. Die Mondberge, von denen schon Ptolemäus zu berichten wusste, sie seien das Quellgebiet des Nil. Zu ihren Füßen liegt Kasese, die Provinzhauptstadt. Hier schlagen wir unser Quartier auf. Die Stadt ist winzig, ringsum wachsen Bananen. In unserer Hütte sortieren wir unsere Sachen, kaufen Lebensmittel und heuern Träger an für den Aufstieg. Eine junge Frau erscheint, mit einer großen offenen, völlig vereiterten Stelle am Bein. Sie verzieht keine Miene, als wir die Stelle säubern, desinfizieren und verbinden. Später wird sie sich mit dem Wertvollsten bedanken, das sie uns geben kann: Einer Ananas.

Der Aufstieg beginnt. Zunächst durch den Dschungel und die Bananen. An einem Stamm sitzt eine gewaltige Spinne. Aufwärts, aufwärts, Stehenbleiben ist fatal, denn der Pfad ist bevölkert von Ameisen, die einen stehenden Fuß sofort attackieren. Der Ruwenzori ist über 5000 Meter hoch, auf seinen Gipfeln glänzen Gletscher. Berühmt ist er für seine Pflanzenwelt, meterhohe Lobelien und Erika von drei Meter Größe. Auf der anderen Seite liegt der Kongo, ein wenig südlich leben die letzten Berggorillas der Welt. Unsere Träger kennen ein „Shelter“, einen Felsüberhang, bei dem wir die Nacht verbringen. Die Träger kochen, es gibt Mungo. In den Baumwipfeln turnen Affen. Unten, in einer kleinen Schlucht, fließt ein Gebirgsbach. Wir wissen, dass es nicht wahr ist, aber für uns und für diesen Moment feiern wir ihn als Quellfluss des Nil. Wir blasen bunte Luftballons auf und geben sie ihm mit auf seine Reise nach Kairo.

Die Quelle des Nil? Wir haben sie nie gesehen. Aber das Ziel unserer Reise haben wir allemal erreicht.