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Reisebericht Ägypten - Quelle des Nil

Sand zwischen den Zähnen

Teil 2

Viele Afrikaforscher haben sich auf die Suche gemacht nach den Quellen des Nil, nun also wir. In Assuan besteigen wir die Fähre nach Wadi Halfa im Sudan. Die riesige Wasserfläche des Nassersees, umrahmt von trost- und vegetationslosen Wüstenbergen, gibt uns das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Doch das erreichen wir später.

Die Ankunft der Fähre weckt Wadi Halfa aus seinem Dornröschenschlaf. Einige Wellblechhütten, umgeben von nichts als Wüste – das ist das Dorf, das sogar auf manchem Globus eingetragen ist, weil es weit und breit keinen größeren Ort gibt, und: Weil hier die Eisenbahn beginnt.

Die Waggons warten schon. Hinter blinden Fenstern nehmen wir Platz. Allgegenwärtiger Staub. Staub? Es ist Wüstensand. Nachmittags setzt der Zug sich in Bewegung, die Durchquerung der Nubischen Wüste beginnt. In der Abenddämmerung endet sie schon wieder: Die Schienen sind vom Sand zugeweht. Einige Männer schaufeln, alle anderen Passagiere machen das Beste aus der Situation. Im Sand entlang des Zuges entwickelt sich dörfliches Leben. Es wird gekocht und gelacht, geschwatzt und getrunken, wir liegen etwas abseits im Sand, genießen den grandiosen Sternenhimmel und dösen beim Klang von Trommeln und Gesang langsam ein.

Das Pfeifen des Zuges weckt uns. Die Schienen sind frei, die Fahrt geht weiter. Durch den Waggon weht der Sand, er kennt keine Hindernisse, alles ist Sand, jeder Quadratzentimeter Haut ist bepudert, die Haare wie Stroh. Aus Tüchern, Taschen und Decken bauen wir ein halbwegs sanddichtes Verließ für unsere Kameras. Dann die Entdeckung: Dieses Fossil von Zug hat einen richtigen Speisewagen, wunderschön, wenig sandig, mit Tischdecken und Porzellangeschirr – absurd, aber willkommen. In Abu Hamed haben wir die Wüste hinter uns, stoßen wieder auf den Nil. Entlang seinem Ufer rollen wir durch Dörfer und Städtchen, passieren Atbara und haben die Nase voll von unserem versandeten Abteil, während draußen die Welt immer grüner wird. Gemeinsam mit anderen steigen wir während der Fahrt auf das Dach des Waggons und genießen die Luft und das Licht. Am Abend erreichen wir Khartum, die Hauptstadt. Wir haben keinen Blick für sie, uns interessiert nur noch eins: Eine Dusche.

Eine Fähre Nilaufwärts gibt es nicht, erst in Kosti, hunderte Kilometer südlich, soll sie ablegen. Ein LKW wird uns hinbringen, uns und Dutzende anderer Fahrgäste, die es sich irgendwie auf der turmhohen Ladung bequem machen. Die Fahrt dauert lange, die Sonne brennt, die Landschaft wird öder, weil wir wieder eine Nilschleife abschneiden. Mein Gedärm rumort. Zur allgemeinen Erheiterung muss ich den LKW stoppen und renne – bewaffnet mit einer Rolle Toilettenpapier – zu einer kleinen Senke, dem einzigen Sichtschutz weit und breit. Sie ist voller Dorngestrüpp. Der Fahrer hat Mitleid, den Rest der Strecke darf ich auf dem Beifahrersitz zurücklegen.

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