Reisedauer


Urlaubszeitraum





Sonnenfinsternis in Sallum

Eindrücke in Sallum

„Shay, Shay, Shay“ brüllt der Inhaber des Kaffeehauses, balanciert sein Tablett mit gefüllten Teegläsern und strahlt mich an. Als er das erste Mal so rief, habe ich genauso zurückgerufen und damit meine Bestellung aufgegeben. Das gefiel ihm wohl, jetzt steigert er seine Phonzahl bei jedem Rundgang und ich trinke einen Tee nach dem anderen.

Vor dem Kaffeehaus in Salloum

Diese arabische Art der Teebereitung – schlichter Schwarztee aus Ceylon, Zucker und frische Pfefferminzblätter – führt immer wieder zu köstlichen Ergebnissen. Oder ist es doch die Umgebung, die den Genuss erst ermöglicht?

Wir sind nicht die einzigen Fremden. Sam, der junge Kanadier, entpuppt sich als Samuel Goldstein aus New York. Jude und US-Amerikaner – beides will er hier im islamischen Ägypten nicht sein. Libelle ist ein französischer Fernfahrer und auf Weltreise. Eigentlich wollte er jetzt in Usbekistan sein, aber für die Sonnenfinsternis macht er eben einen kleinen Umweg. Alles ist relativ.

Ich nutze die Wartezeit und spaziere zu dem Häuschen, in dem Tickets für die Busse verkauft werden. Es ist umlagert von Ägyptern. Am Mittag, also kurz nach der Sonnenfinsternis, fährt wohl ein Bus nach Kairo, er würde uns eine weitere Nachtfahrt ersparen. Nur werden für ihn noch keine Tickets verkauft. Eigentlich. In dem Häuschen entdecke ich unseren Busfahrer von der Herfahrt, den, der bei der Anfahrt auf die Raststätte die letzten tausend Meter der Einfachheit halber auf der durch einen Mittelstreifen abgetrennten Gegenfahrbahn zurücklegte – sonst hätte er ja wenden müssen. Ich lobe ihn wort- und gestenreich für seine Fahrkünste. Und richtig: Verschwörerisch werde ich zur Seite gewinkt, die besten Plätze im Mittagsbus werden für uns vorgemerkt und – begleitet von vielen guten Wünschen – gehe ich stolz zurück zum Kaffeehaus.

Tobias, mein vierzehnjähriger Sohn und Reisebegleiter, steht schwitzend inmitten einer Gruppe junger Ägypter, beide Seiten radebrechen munter drauf los und verstehen sich irgendwie und irgendwann blendend.

Neben dem Kaffeehaus liegt das vermutlich einzige Hotel von Salloum, ich gehe hinein und bin erstaunt: Klein, gemütlich und blitzblank, sogar die Toiletten. Wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir sicher einen Tag früher gekommen.