Aus der Regierungszeit von Pharao Ramses dem Großen in der 19. Dynastie um das 13. Jahrhundert v. Chr. stammen zwei der prominentesten Monumentalbauten des Alten Ägypten. Die beiden Felsentempel von Abu Simbel sind die größten ihrer Art. Sie befinden sich in dem kleinen Ort Abu Simbel am Westufer des Nassersees ungefähr 280 Kilometer südlich von Assuan und rund 40 Kilometer nördlich der ägyptisch-sudanesischen Grenze. Diese Tatsache führte dazu, dass sich in der Nähe der Tempel eine kleine Ortschaft entwickelt hat, die hauptsächlich vom Tourismus lebt. Für die Anreise nach Abu Simbel wurde extra ein Flughafen errichtet, denn die Nilschiff können wegen des Assuanstaudammes nicht bis nach Abu Simbel fahren und die Busreise dorthin dauert mehrere Stunden.

Es gibt zwei Tempel in Abu Simbel, einen großen und einen kleinen. Der größere von beiden diente der Verehrung des göttlichen Pharao Ramses II. Auch die Götter Ptah vom Memphis, Amun-Re von Theben und Re-Harachte von Heliopolis wurden in diesem Tempel verehrt. Der kleinere Tempel ist der königlichen Gemahlin von Ramses II geweiht, der Nofretari. Die Tempelanlagen waren nach der römisch-byzantinischen Epoche für mehrere Jahrhunderte aus dem Blickfeld geraten. Auch die französischen Expeditionen unter Napoleon Bonaparte von 1798 bis 1799 kamen nicht soweit in den Süden Ägyptens. Erst der schweizer Gelehrte Johann Ludwig Burckhardt war der erste Europäer, der die Tempel wiederentdeckte, als er 1813 incognito durch den Nahen Osten und Nordafrika reiste. Zu diesem Zeitpunkt waren die Tempel von einer Sanddüne teilweise bedeckt und der Eingang war zugeweht. Erst vier Jahre später war der Tempel freigelegt und es dauerte noch einmal elf Jahre, bis die ersten wissenschaftlichen Aufzeichnungen über die Tempel angefertigt wurden. In den folgenden Jahren beschäftigten sich immer mehr Gelehrte mit dem Orient und machten die Gegend für immer mehr Europäer populär.

Versetzung der Felsentempel von Abu Simbel

Der Bau des Assuan-Staudamms bedeutete eine erhebliche Gefahr für die Kulturschätze an den Ufern des Nil in Nubien, also dem Land zwischen Assuan im Norden und Karthum im Süden. Die Flutung des Nilwassers zum Nassersee hätte zahlreiche altertümliche Bauten für immer vernichtet. Mit der Erkenntnis der großen Bedeutung der nubischen Tempel wurde schließlich unter Schirmherrschaft und mit finanzieller Unterstützung der UNESCO ein Rettungsprogramm für die Tempelanlagen beschlossen. Unter der Projektierung des deutschen Bauunternehmens Hochtief begann das Projekt 1963 nach mehrjähriger Vorbereitung. Zunächst wurde ein Schutzdamm vor dem steigenden Nilwasser auf der Seeseite errichtet. Dann wurden die Felsen um die Tempel herum abgetragen, die Bauwerke in transportable Blöcke zerlegt und alles katalogisiert. 180 Meter landeinwärts und 65 Meter höher wurden die Tempel wieder aufgebaut und eine Konstruktion aus Beton, die mit Natursteinfelsen verkleidet wurde, imitierte fortan das alte Erscheinungsbild der Felsentempel.zurück zum Reiseführer oder weiter zum nächsten Artikel