Die Insel Elephantine im Nil vor der City von Assuan ist ein archäologisches Kleinod im Süden Ägyptens. Sie ist in ihrer Längsachse rund 1.200 Meter lang und an der breitesten Stelle misst sie rund 400 Meter. Auf der Insel treffen sowohl die mehrere tausend Jahre währende Siedlungsgeschichte einer antiken Stadt als auch die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte von Heiligtümern und Tempeln aus der Zeit der Pharaonen zusammen. Auf der Insel Elephantine sind sie besser dokumentiert als sonst irgendwo in Ägypten. Der Grund dafür ist eigentlich ein archäologischer Glücksfall, denn die Zerstörung antiker Siedlungen hatte viele Ursachen wie zum Beispiel die alljährlichen Überflutungen bei Nilhochwasser, landwirtschaftliche Flächenumstrukturierung, Verarbeitung der Nilschlammziegel der alten Häuser zu Düngemittel durch die ländliche Bevölkerung oder die Tatsache, dass einige antike Städte durch Überbauung heute unterhalb der modernen Städte liegen. An solche Städte kommen Archäologen mit vertretbarem Aufwand natürlich nicht mehr heran. Von diesen Faktoren ist die Nilinsel Elephantine verschont geblieben.

Das Bodenniveau der Insel ist so hoch, dass die Nilfluten die historischen Baudenkmäler und Siedlungsschichten früherer Epochen nicht erreichen konnten und auch der Anstieg des Grundwassers durch den Bau des Assuan-Staudamms in der Moderne gefährdete die Insel nicht, deren Ufer zudem von Granitfelsen gegen die Erosion des Flusses gut geschützt sind. Zeugen der mehr als viertausendjährigen Besiedlungsgeschichte der Nilinsel Elephantine befinden sich an der Südseite der Insel in bis zu zwölf Meter übereinander lagernden Schichten von Baufundamenten. Ein breites Spektrum an unterschiedlichen Bauresten wie Tempelanlagen, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude, Vorratsspeicher, Wohnhäuser, Befestigungsanlagen, Torbauten, Kaianlagen, zwei Nilometer Straßen und sogar eine kleine Pyramide konnte identifiziert und dokumentiert werden. Da die Besiedlung der Südspitze der Insel im späten Mittelalter endete, blieben diese Reste erhalten und wurden auch nicht von modernen Bauwerken überbaut.

Dass die Ägyptentouristen heute vor diesen archöologischen Funden stehen können, ist hauptsächlich der Arbeit, Erforschung und Dokumentation des Deutschen Archäologischen Instituts und des Schweizerischen Instituts für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde zu verdanken. Beide Einrichtungen sind seit mehreren Jahrzehnten mit der bauhistorischen Rekonstruktion einiger Abschnitte und der publikumsgerechten Präsentation der Überreste aus mehr als vier Jahrtausenden beschäftigt. Wichtige Fundstücke beherbergt ein benachbartes Museum. Einen Eindruck von einer Siedlung der Antike vermitteln zwei Dörfer nördlich der Ausgrabungen, deren Lehmziegelhäuser und Gassen charakteristisch dafür sind.

Die Insel Elephantine hat im Laufe der Erdgeschichte immer wieder ihre Form geändert und bestand zunächst aus mehreren kleineren Inseln. Diese sind sowohl durch natürliche als auch durch anthropogene Einwirkung zusammengewachsen. Das dürfte spätestens in der Zeit des Alten Reiches geschehen sein. Die frühesten Spuren menschlicher Besiedelung der Insel stammen von ungefähr 3.500 v. Chr., das Heiligtum der Antilopengöttin Satet stammt von 3.200 v. Chr., das aber seither häufig erweitert und umgebaut wurde. Weil südlich der Insel das erste Katarakt beginnt und die Schifffahrt über diese Granitfelsen und Stromschnellen im Nil hinaus nicht möglich war, war die Insel Elephantine ein wichtiger Grenzort im Süden Ägyptens. Die Insel war aber nicht nur nach Außen gerichtet, als Verladestelle und Hafen für die Schiffe mit dem gebrochenen Granit von Assuan, starteten die Transporte von Elephantine aus zu den Pyramiden- und Tempelbaustellen im Reich.

Neben den umfangreichen Siedlungsresten auf der Insel Elephantine sind auch die dortigen Heiligtümer sehenswert. Dazu gehören unter anderem: Der Tempel der Satet (Satis), der Tempel des Chnum, das Heiligtum des Heqaib sowie der ältere Tempel von Kalabscha und das Tor von Ajula.zurück zum Reiseführer oder weiter zum nächsten Artikel