Ohne den Nil wäre Ägypten ein Land wie Libyen oder Algerien. Die Sahara wäre allgegenwärtig und das trockene Wüstenklima würde den vorhandenen Lebensraum stark einschränken. Zumindest der letzte Fakt trifft auf Ägypten ebenfalls zu, nur 4% der Landfläche sind von Menschen besiedelt, aber die fruchtbare Lebensader, die in Form des Nils das Land von Süd nach Nord durchzieht, sorgt für Wasser, ohne das kein Leben denkbar ist. Das Niltal wirkt dabei wie eine Oase, in der Menschen leben und Landwirtschaft betreiben können. Dabei ist das Niltal maximal nur 25 Kilometer breit.

Reißende Ströme ziehen nur nach heftigen Regenfällen durch die Wadis der ansonsten trockenen Flußtäler in der Arabischen Wüste östlich des Niltales. Bis zu 2.187 Meter hohe Berge und Felsformationen prägen das Landschaftsbild. Das Bild im westlichen Teil des Landes ist ähnlich, jedoch sind die Wüsten dort ausgedehnter und nur die Oasen Baris, Dakhla, Farafra, Bahariyah und Siwa unterbrechen das Landschaftsbild für einen kleinen Moment. Noch weiter westlich reicht die Wüste bis zum Horizont.

Ein Vergleich verdeutlicht die Verhältnisse zwischen Deutschland und Ägypten. Die Landesfläche Ägyptens ist mit 1 Million km² mehr als dreimal so groß wie Deutschland. Beide Länder haben eine ähnliche Einwohnerzahl, wobei sich die besiedelte Fläche Ägyptens auf 40.000 km² beschränkt, was in etwa einem Neuntel der Fläche Deutschlands entspricht. Die Bevölkerungsdichte ist demzufolge sehr hoch. Daraus ergeben sich Beschränkungen für die landwirtschaftliche Nutzfläche, für Siedlungen und Verkehrswege. Um neue Siedlungsfläche zu gewinnen, gibt es immer wieder Überlegungen für eine zweite Wasserader durch das Land.

Der Nil als Lebensader hat für viele Nationen im Osten Afrikas eine erhebliche Bedeutung. Auf dem Weg Richtung Mündung ist Ägypten der letzte Anrainerstaat. Auf Grund so vieler Interessen am Fluss bedarf es einer gemeinsamen Strategie in der Nutzung des Wassers. Leider ist das nicht ganz so einfach, da die Interessen von Ägypten und Sudan etwas anders gelagert sind als die der Länder am Oberlauf des Nils. Obwohl, diesen Oberlauf gibt es so konkret gar nicht. Der Nil besteht in seinem Quellgebiet aus einem ganzen System von Flüssen, die erst in Karthum an der Mündung von Blauem und Weißen Nil den Nil bilden. Auf jeden Fall entstammt das Wasser der innertropischen Konvergenzzone, die über das Jahr verteilt sehr viele Niederschläge sammelt. So fließt der Nil von Burundi über Ruanda, Uganda bzw. Äthiopien und den Sudan nach Ägypten, wo er schließlich ins Mittelmeer mündet.

Die Brücke zwischen Asien und Afrika schlägt die Sinaihalbinsel im Osten Ägyptens. Sie ist fast vollständig von Wasser umgeben und wird im Westen vom Suezkanal, im Südwesten (Golf von Suez), Süden und Südosten vom Roten Meer (Golf von Aqaba) und im Norden vom Mittelmeer begrenzt. Besonders der Südteil der Sinaihalbinsel ist sehr gebirgig und mit dem Katharinenberg (2642 m) und dem Mosesberg (2285 m) befinden sich hier zwei der höchsten Gipfel Ägyptens. Das Rote Meer weist relativ große Tiefen auf, die ein Zeichen für das Auseinanderdriften von Afrikanischer und Eurasischer Kontinentalplatte im Ostafrikanischen Grabenbruchsystem sind. Im Zuge dieser Kontinentaldrift sind Erdbeben in Ägypten möglich. Im Roten Meer haben sich im Laufe der Evolution einige der artenreichsten Korallenriffe entwickelt.

Die geographischen Besonderheiten der Landoberfläche Ägyptens als Mittelmeeranrainer zwischen Afrika und Asien setzen sich in der politischen Geographie fort. Mit Kairo hat Ägypten die bevölkerungsreichste Stadt des gesamten Afrikanischen Kontinents, die zugleich auch politisch ein Schwergewicht ist. Als Land im Nahen und Mittleren Osten und Teil der islamischen und arabischen Welt hält das Land ebenfalls eine Brückenfunktion inne. All das führte dazu, dass Ägypten kulturell sowohl in Afrika als auch in Asien und Europa tief verankert ist.