Ägypten ist ein Land der Gegensätze. Geographisch stehen die kargen Sand- und Gebirgswüsten im Osten und Westen des Landes dem fruchtbaren Niltal gegenüber. Auch klimatisch macht sich dieser Gegensatz bemerkbar. In den Wüsten steigen die Temperaturen tagsüber in ungewohnte Höhen und nachts kann es dort bitterkalt werden. Das Klima am Mittelmeer im Norden Ägyptens unterscheidet sich vom Klima am Roten Meer. Ein weiterer Gegensatz wird bei der besiedelten Landfläche sichtbar. Obwohl Ägypten ähnlich viele Einwohner wie Deutschland hat, haben die Ägypter nur ein sechstel so viel besiedelte Fläche, denn von den etwas mehr als 1 Million Quadratkilometern sind nur rund 5,5 % besiedelt. Das Niltal ist die Lebensader dieses Landes, in jeder Beziehung. Auch wirtschaftlich konzentriert sich alles am längsten Strom der Welt, denn auch der Großteil des Stromes wird aus dem Nilwasser gewonnen, das im Süden des Landes im riesigen Nassersee gespeichert wird.

Die Millionenstadt Kairo bildet das Zentrum Ägyptens und hatte diese Funktion mit Unterbrechungen schon sehr früh in der geschichtlichen Entwicklung des Landes inne. Die Zeugen dieser fast 5.000 Jahre alten Kultur sind noch heute prägend im Landschaftsbild und machen auch heute den Kontrast zwischen Historie und Moderne für jeden deutlich sichtbar. Pyramiden, Tempel, mittelalterliche Paläste, Festungen, Moscheen, römische Prachtbauten, christliche Kirchen und mittelalterliche Stadtkerne haben im Laufe der Zeit ein buntes Ensemble an architektonischen Bauten erzeugt. Die Zentren der alten Hochkultur lagen, wenig überraschend, in der Nähe des Nils im Zentrum des Landes. Und das heutige Zentrum Kairo ist nicht nur die Hauptstadt Ägyptens, Kairo ist die mit Abstand die bedeutendste und größte Metropole auf dem afrikanischen Kontinent.

Die ägyptische Bevölkerung fühlt sich ihren arabischen Nachbarn sehr nahe. Die Ägypter teilen mit ihnen die arabische Sprache und die arabisch-islamische Kultur. Trotz der vielen Eroberungen und Einwanderungen anderer Volksstämme nach Ägypten leben in dem Land heute viele direkte Nachfahren der alten Ägypter, wobei die Durchmischung in den großen Städten naturgemäß etwas größer ist als in den ländlichen Gegenden Ägyptens. Viele der Zuwanderer waren Kaufleute, die als Händler dort ihr Glück versuchten oder es waren Eroberer, die in den militärisch-administrativen Dienst eindrangen. Auch eine Vielzahl arabischer Beduinen ließ sich in Ägypten nieder. Ihren Dialekt hört man heute auf der Sinai-Halbinsel oder in den Wüstengebieten. Und den Süden Ägyptens besiedeln Menschen mit dunklerer Hautfarbe als die meisten Ägypter. Das sind Nubier, die im südlichen Oberägypten um Assuan herum leben. Neben dem religiös dominierenden Islam leben in Ägypten rund fünf bis sieben Millionen koptische Christen, die in vielen Städten ihre Kirchen errichtet haben und eine teilweise mehrere hundert Jahre lange Tradition pflegen.

Da Ägypten aufgrund der recht hohen Geburtenrate von 2,9 Kindern pro Frau (im Vergleich Deutschland 1,3 Kinder pro Frau) ein stabiles Bevölkerungswachstum hat, ist die Hälfte der Ägypter unter 30 Jahre alt. Daraus ergeben sich Probleme für den Arbeitsmarkt, auf den jährlich hunderttausende neue Jobsuchende drängen. Soziale und politische Spannungen bedrohen immer wieder den Zusammenhalt der ägyptischen Gesellschaft. Als Folge der politischen Demonstrationen Anfang 2011 trat der bisher 30 Jahre lang regierende ägyptische Präsident Husni Mubarak am 11. Februar nach massivem Druck aus der Bevölkerung vom Amt des ägyptischen Präsidenten zurück.

Wirtschaftlich hat der Tourismus für Ägypten eine überaus große Bedeutung. Touristische Anziehungspunkte sind die Badeorte am Roten Meer, die Entdeckungen der altägyptischen Hochkultur entlang des Nils bei einer Nilkreuzfahrt zwischen Luxor und Assuan, der Assuan-Staudamm mit dem Nassersee, die Oasen in den Wüsten und nicht zu vergessen die ägyptische Hauptstadt Kairo mit den Pyramiden von Gizeh. Da der Massentourismus auch zu einer Bedrohung von Landschaft und Natur werden kann, gilt es Vorkehrungen zu treffen, damit die Schätze Ägyptens auch in Zukunft erhalten bleiben.