Über Jahrtausende hinweg festigte sich eine Dreiteilung der arabisch-islamischen Gesellschaft. Beduinen durchstreiften mit ihren Kamelkarawanen die Wüstengebiete der Sahara, Bauern bewirtschafteten die ländlichen Agrarflächen und die Stadtbevölkerung grenzte sich davon durch eigene Lebensweisen ab. Das führte im Laufe der Jahrhunderte zu einer immer deutlicheren Abgrenzung bei einer gleichzeitig bestehenden Abhängigkeit der drei Gruppen voneinander. Dadurch war ein konfliktfreies Leben nebeneinander nicht immer möglich.Zwar waren die Beduinen wirtschaftlich aktiv durch die Karawanen und den Handel mit Vieh. Ihr Lebensraum in der Wüste und die Abhängigkeit von wechselnden Weidegründen, den Oasen und saisonal nutzbaren Wasserstellen, die oft weit von einander entfernt lagen, prägte den deutlichen Unterschied zum Leben der Städter. Oft genug kam es trotz dieser eigentlich friedlichen Koexistenz zu Plünderungen und Zerstörungen der Ernten durch kriegerische Beduinenstämme. Administrative Maßnahmen dagegen schlugen fehl, weil sich die Beduinen der Kontrolle entzogen. Da sich das wirtschaftliche Leben der Städter auf den Basaren abspielte, die aus den Knotenpunkten von Karawanenstraßen entstanden, waren sie auf die Nomaden angewiesen.

Einen ganz anderen Lebensstil verfolgten die Bauern, die durch ihre Gebundenheit an den agrarisch genutzten Boden nicht mobil sein konnten, so wie es die Beduinen oder die geschäftstüchtigen Stadtbewohner waren. Daraus resultiert seinerseits ein Mentalitätsunterschied zwischen den Beduinen und den Bauern Ägyptens. Heute durchmischen sich die einzelnen Lebensweise mehr und mehr, denn durch das rasante Bevölkerungswachstum, den Zuzug von Landflüchtigen in die Städte und auch die zunehmende Festansiedlung von Beduinen führen zu einer Angleichung der Lebensweisen. Das Leben der echten Nomaden spielt sich heute zum Einen in den Touristenzentren ab, wo den Besuchern ein Leben aus vergangenen Zeiten präsentiert wird, womit die Beduinen eine gute Einnahmequelle ausgemacht haben. Andererseits ziehen Kleintiernomaden mit ihren Eseln, Schafen und Ziegen durchs Land. Auch Kamelzüchter als Großviehnomaden sind in Ägypten keine Seltenheit. Rinderzüchter wie im ägyptischen Altertum gibt es dagegen nicht mehr.