Als Napoleon Bonaparte 1798 seinen Soldaten klarmachte, dass von den Pyramiden 40 Jahrhunderte Geschichte auf sie herabblickte, stand das französische Heer kurz vor dem Sieg gegen das einheimische Mameluckenheer, das den französischen Soldaten weit unterlegen war. Im Zuge der Eroberungen Napoleons folgten auch Wissenschaftler ins Land der Pharaonen und trugen wichtige Informationen über das Land am Nil zusammen. Daraus entstand die berühmte „Description de l’Égypte“, mit der zuerst Frankreich und später das restliche Europa eine umfassende wissenschaftliche Grundlage für die Forschung besaß. Das war der Beginn der Ägyptologie als Wissenschaft.

In Wahrheit sind es noch fünf Jahrhunderte mehr, als Napoleon verkündet hatte, nämlich 45. Besucher auf dem Pyramidenplateau von Gizeh (auch Gizeh, Gisa, Giseh) stehen vor der berühmtesten archäologischen Stätte der Welt. Das Pyramidenfeld hat für einen Götterherrscherkult weltweit einmalig große Ausmaße und ist zugleich das herausragendste Zeugnis der pharaonischen Zeit, auf deren Höhepunkt um 2.670 bis 2.150 v. Chr. die Pyramiden entstanden. Das Ausmaß der Pyramiden deutet auf ein bemerkenswert zentralistisches Staatsgebilde hin, in dem die komplette Gesellschaft sich um den Pharao herum bildete. Der Pharao hielt durch seine religiöse und politische Kraft die Gesellschaft zusammen. Weder vor dem Bau der Pyramiden noch danach erreichte die ägyptische Gesellschaft jemals wieder einen vergleichsweise hohen Grad der Zentralisierung.

Heute ist Giseh ein Teil der Metropolregion Kairo, obwohl sie eine eigenständige Stadt mit drei Millionen Einwohnern ist. Die Häuser reichen bis an das Pyramidenplateau heran und man braucht längst keine Tagesreise mehr zu machen, um von Kairo zu den Pyramiden zu kommen, wie das noch im 19. Jahrhundert der Fall war. Heute ist es eher eine Frage der Verkehrsbedingungen, ob man die 13 Kilometer innerhalb einer Stunde zurücklegen kann, oder ob es länger dauert. Zahlreiche Souvenirhändler tummeln sich an den Pyramiden und nachdem man die Eintrittskarten gekauft hat, kann man sich auf dem Gelände bewegen. Zum Pyramidenfeld von Giseh gehören die drei großen Pyramiden mit ihren Totentempelanlagen und Nebenpyramiden. Auch zahlreiche kleinere Grabanlagen gehören zu dem Komplex. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Sphinxstatue und es gibt auch noch ein Bootsmuseum mit einem aus Originalteilen zusammengesetzten Boot des Pharaos Cheops, womit es sich bei diesem Exponat um das älteste, noch erhaltene Holzschiff der Welt handelt. Der Fund dieses Bootes wurde erst im 20. Jahrhundert gemacht, denn obwohl die Pyramiden schon sehr alt sind, bergen wissenschaftliche Expeditionen, Exkursionen und Surveys auch in neuerer Zeit immer wieder Schätze aus der Umgebung der Pyramiden, wie zum Beispiel einen goldreichen Grabschatz der Königin Hetepheres, den ein Team  von der Harvard-University entdeckte. Grabräuber und die Entnahme von Baumaterial schädigten über die Jahrhunderte hinweg die Pyramiden immer wieder. Viele Bauwerke der nahen Hauptstadt Kairo entstanden aus Steinen, die ursprünglich an den Pyramiden ihren Platz hatten. Deshalb sehen wir heute die Pyramiden anders, als sie sich zur Zeit der Pharaonen präsentierten. Sie besaßen ursprünglich eine glatte Außenhaut aus weißen Kalksteinplatten, die aus besonderen Steinbrüchen auf der anderen Seite des Nils abgebaut wurden. Dieser helle Kalkstein verschaffte den Pyramiden eine strahlende Erscheinung, denn sie leuchteten weithin sichtbar über das Niltal.