Im Koptischen Viertel von Kairo, das von Römischen Festungsmauern umgeben ist, befinden sich das koptische Museum, christliche Friedhofsanlagen, eine Synagoge und mehrere bedeutende Kirchen. Auch weil Josef und Maria mit dem Jesuskinde der Überlieferung nach auf ihrer Flucht nach Ägypten in diesem Viertel Halt gemacht haben sollen, hat das Viertel eine religiöse Bedeutung. Einige interessante Sehenswürdigkeiten werden im Folgenden vorgestellt.

Das Koptische Museum

Das Koptische Museum in Kairo ist frisch renoviert und beheimatet die die größte Sammlung koptischer Kunst überhaupt. Das Museum wurde von Markus Simaika Pascha im Jahr 1908 gegründet und zeigt heute Architekturfragmente alter Kirchen und Klöster, Gebrauchsgegenstände aus koptischer Zeit, Grabtafeln, Holzschnitzereien, Ikonenmalereien, Reliefs, Textilien und christliche Kultutensilien.

Festung Babylon

Das heutige Kairo und seine Vorgänger haben mit ihrer Lage am Beginn des Nildeltas schon immer eine große, strategische Bedeutung gehabt. Deshalb reichen die Wurzel auch sehr weit in die Vergangenheit zurück. Der Name Babylon geht vermutlich auf eine lautmalerische Anspielung der altägyptischen Ortsbezeichnung Pi-Hapi-en-On (pr-Hapi-n-Jwnw, „Haus des Nilgottes von Heliopolis“) zurück, ist aber nicht zu verwechseln mit der Stadt am Bosporus. In Römischer Zeit war hier eine Festung entstanden, die auf altägyptischen und persischen Vorgängerbauten ruhte.

Die „Hängende Kirche“ El-Muallaqa

Die Kirche Kirche El-Muallaqa gehört zu den ältesten Kirchen Kairos. Die wichtigsten Datierungen stammen aus dem 3. Jahrhundert, die Hinweise auf einen Vorgängerbau an der jetzigen Stelle geben und aus dem 7. Jahrhundert. Damals stand der Patriarch Isaac der Koptischen Orthodoxen Kirche von Alexandria vor. Die  Kirche El-Muallaqa ist unter dem Namen „Hängende Kirche“ bekannt geworden. Diese Bezeichnung rührt von der Lage der Kirche in erhöhter Position auf dem Rest eines römisch-byzantinischen Festungstorbaus her. Von außen ist das kaum zu erkennen, wenn man aber in die Kirche hinein geht, kann man an einigen Stellen die alten römischen Fundamente sehen. Hier wird auch die kirchliche Pracht durch die Ikonenmalereien und die Ikonostasien mit kunstvollen Schnitzereien aus Nussbaum, Eben- und Zedernholz sichtbar.

Die Koptische St. Georg-Kirche und das St. Georg-Kloster

Im St. Georg Konvent leben Nonnen. Herzstück und ältestes Gebäude des Kloster ist eine Kapelle aus dem 10. Jahrhundert. Die rund 50 Meter entfernte St. Georg-Kirche ist knapp 300 Jahre älter als das Kloster und datiert aus dem Jahr 684.Kunstvoll verzierte Holzfenster und der aus dem 14. Jahrhundert stammende Hochzeitssaal sind u.a. sehr sehenswert an diesem Gebäude.

Griechische St. Georg-Kirche

Die griechisch-orthodoxe St. Georg-Kirche ist die imposanteste Kirche im ganzen koptischen Viertel. Wie die „Hängende Kirche“ steht auch diese Kirche erhöht auf den Fundamenten des nördlichen, großen, römisch-byzantinischen Festungsturms und wurde im 10. Jahrhundert errichtet. Sie besticht sowohl von Außen als auch von Innen mit ihrer byzantinischen Architektur. Sie ist prächtig dekoriert und ausgestattet.

Christliche Friedhöfe

Das Kirchenviertel ist von einem griechisch-orthodoxen, einem koptisch-orthodoxen und einem melkitisch-griechisch-katholischen Friedhof umgeben, auf denen sehenswerte Aufbauten, Grabstelen und kleine Kapellen zu finden sind.

Abu Sarga (Kirche des St. Sergius und St. Bacchus)

Mit ihren Grundmauern aus dem 5. Jahrhundert ist diese Kirche die älteste, noch heute benutzte Kirche in ganz Ägypten. Der Ort an dem sie steht, soll der Überlieferung zufolge der Ort gewesen sein, an dem sich die Heilige Familie während ihres Exils in Ägypten aufgehalten haben soll. Der Baus besteht aus einem Haupt- und zwei Seitenschiffen wie bei einer Basilika.

Die St. Barbara-Kirche

Diese aus dem 5. Jahrhundert stammende Kirche der heiligen Barbara ist mit zahlreichen wertvollen Ikonen, kunstvollen Holzreliefs und Elfenbeinintarsien ausgestattet.

Ben Esra-Synagoge

Diese Synagoge steht an einem heiligen, jüdischen Ort. An der gleichen Stelle stand vorher schon ein Kirchenbau. Die Synagoge ist üppig ausgestattet. Bei Renovierungsarbeiten wurde 1984 ein Archiv mit 250.000 Buchfragmenten entdeckt.