Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in der Tempelanlage von Karnak befinden sich an der Ost-West-Achse des Amun-Tempels. Für die Besichtigungen sollte man sich auf jeden Fall etwas mehr Zeit einplanen, da hier die großen Touristenströme entlangführen und sich vor einigen sehenswerten Bauten große Menschentrauben bilden.

Als erstes sieht man den größten, jemals errichteten Pylon (Eingangstor) in der ägyptischen Baugeschichte. Er ist zwar unvollendet geblieben, mit seinen Ausmaßen von 15 Metern Dicke, 43 Metern Höhe und 113 Metern Länge stellt er alle anderen derartigen Bauwerke in den Schatten. In Richtung des zweiten Pylons sieht man eine 11 Meter hohe Statue aus der Ramsesidenzeit, an deren Beinen eine kleine Königinnenfigur steht.

An der südlichen Seite des Hofes ragt ein Tempel in Form einer Barkenstation für die große Prozessionen in den Hof hinein. Dabei handelt es sich um einen Tempel, der quasi das Miniaturformat eines klassischen ägyyptischen Tempels wiedergibt, denn er verfügt über alle Grundmerkmale eines solchen. Dieser Tempel ist ein Amun-Tempel von Ramses III., der mit zahlreichen Reliefdarstellungen ausgeschmückt ist.

Der zweite Pylon der Anlage ist nur unwesentlich kleiner als der erste, er ist aber schon sehr stark verfallen, so dass seine ursprüngliche Höhe nicht mehr genau zu bestimmen ist.

Nach dem zweiten Pylon und vor dem dritten Pylon befindet sich der weltweit größte Säulensaal des Altertums mit einer Grundfläche von mehr als 5.400 m². Seine Konstruktion erinnert an eine dreischiffige Basilika, denn die Säulen der Mittelhalle sind mit 21 Metern Höhe noch acht Meter größer als die anderen Säulen. Die Überdachung des Tempels und die Bemalung sind nur noch zu erahnen, nachdem französische Archäologen und Architekten die Anlage wieder hergerichtet hatten. Es folgt der dritte Pylon, der nicht mehr gut erhalten ist, bei archäologischen Untersuchungen aber viele Baublöcke früherer Bauwerke wie Kapellen und Heiligtümer preisgab. Der vierte Pylon ist ebenfalls stark zerstört und läßt sich in seinen ursprünglichen Ausmaßen nicht genau beziffern.

Auf dem weiteren Weg durch die Kultanlage kommt als nächstes der Bereich, wo die zwei berühmten Obelisken der Königin Hatschepsut standen. Einer der beiden Obelisken ist im Laufe der Zeit umgefallen, der andere steht noch. Er ist 29,5 Meter hoch, hat eine Masse von unglaublichen 322 Tonnen und besteht aus Rosengranit, der aus den Abbaugebieten rund um Assuan stammt. Auf die Obelisken folgen der fünfte und sechste Pylon. Hinter letztgenanntem stehen zwei große Wappenpfeiler, die die königliche Herrschaft  symbolisieren.

Hinter dem sechsten Pylon gelangt man schließlich in den Bereich, in dem während der Prozessionen die Götterstatue des Amun aufgestellt wurde. Dieser Bereich wurde mehrere Male umgebaut, wobei die meisten Umbauten in der Zeit der Königin Hatschepsut erfolgt sind.  

Die heiligsten Räume der Tempelanlage von Karnak befanden sich in ihrem Zentrum. Doch nach der Aufgabe des Tempels wurden viele Baublöcke in christlicher Zeit für andere Zwecke verwendet, so dass der Besucher heute sehr viel Phantasie braucht, um sich die Anlage vorzustellen. Hinter diesem Ort folgt noch ein Anhang an den Tempelbau, der einst der große Festtempel von Thutmosis III. war.