Die riesigen Kolossalstatuen der sogenannten Memnon-Kolosse gehörten ursprünglich zu einer Tempelanlage, die vermutlich die größte, jemals errichtete Tempelanlage in Ägypten war. Bei dieser Anlage handelte es sich um den Totentempel von Amenophis III: aus dem 14. Jahrhundert v. Chr., der sich auf halbem Wege zwischen Medinet Habu und Theben West befunden haben muss. Im Laufe der fast 3.500 Jahre, die seither vergangen sind, sind von dieser Tempelanlage nur die beiden Kolossalstatuen übrig geblieben. Denn schon wenige Generationen nach der Fertigstellung der Anlage erschütterte ein Erdbeben die Gegend um Theben und führte zum Einsturz der Tempelbauten.

In den folgenden Jahrhunderten dienten die Trümmer als Steinbruch für andere Tempelbauten, auf wundersame Weise blieben nur die beiden Statuen unangetastet, weder von den Erdstößen noch von den weiteren Bauarbeiten. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel. Möglicherweise war die Bedeutung der beiden Statuen für die Menschen der damaligen Zeit zu groß, als dass sie gewagt hätten, die Statuen ebenfalls abzutragen. Das wäre immerhin auch ein anstrengendes Unterfangen gewesen, denn die Statuen haben eine Masse von 1.000 Tonnen und sind heute 18 Meter hoch. Als sie in der Antike noch Kronen trugen, betrug ihre Größe wohl um die 21 bis 22 Meter.

Der Name Memnon geht auf die Griechen und Römer zurück, die den Statuen auf Grund einer besonderen Eigenschaft diesen Namen einer Sagengestalt aus der griechischen Mythologie gaben. Denn durch die Risse und Spalten im Gestein erzeugt der Wind ein Geräusch, das an den klagenden Memnon erinnerte. An den Beinen der Statuen befinden sich kleine Figuren, die die Königsmutter Mutemuja und die Königsgemahlin Teje zeigen. Auch antikes Graffiti findet sich auf einer der beiden Statuen. Anhand von Ausgrabungen ließ sich rekonstruieren, dass der Tempel eine Grundfläche von 700 Metern mal 500 Metern gehabt haben muss. Eine riesige, acht Meter starke Umfassungsmauer begrenzte die Anlage und mehrere Pylone führten ins Innere des Tempels, wo auch noch weitere Statuen standen. Auf Grund der starken Zerstörungen ist es aber für heutige Wissenschaftler sehr schwer, sich ein konkretes Bild der Anlage zu machen.