In Edfu, das sich am Westufer des Nils zwischen Assuan und Luxor befindet, soll der ägyptischen Mythologie zufolge der falkenköpfige Gott Horus den Gott Seth in einem Kampf besiegt haben. Dieser Kampf ist zu einem zentralen Fakt in der ägyptischen Religion geworden, in dem Gut gegen Böse oder Ordnung gegen Chaos kämpfen. Das Besondere heute am Horus-Tempel ist sein vergleichsweise guter Erhaltungszustand. Die Überdachung ist komplett erhalten und er spiegelt den typischen Grundriss eines ägyptischen Tempels wider.

Vor dem Bau des Horus-Tempels stand schon ein Tempel an dieser Stelle, der aus dem Neuen Reich stammte. Der Kern des Tempels wurde zwischen 237 und 142 v. Chr. errichtet, fertiggestellt wurde das Bauwerk aber erst knapp einhundert Jahre später im Jahr 57 v. Christus. Die Abmessungen des Tempels betragen 137 Meter mal 80 Meter und der Einganspylon hat eine Höhe von 36 Metern. Davor stehen zwei steinerne Horusfalken.

In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts haben französische und polnische Archäologen bei Ausgrabungen in Edfu Teile der alten Stadt und ihrer Nekropole freigelegt. Dabei kamen Fundstücke aus koptischen, der griechisch-römischen und der ptolemäischen Zeit zum Vorschein.