Gamal Abdel Nasser war von 1954 bis 1958 und von 1967 bis 1970 Ministerpräsident sowie von 1954 bis 1970 Staatspräsident des unabhängigen Ägypten. Er folgte General Nagib in diesem Amt. Nasser wurde am 15. Januar 1918 in Alexandria geboren und starb am 28. September 1970 nach einem Herzinfarkt in Kairo. Nasser besuchte in Alexandria die Schule und wollte danach die königliche Militärakademie besuchen. Weil er aus ärmlichen Verhältnissen stammte und auch keinen Fürsprecher hatte, wurde seine Bewerbung abgelehnt. Nach einer ebenfalls vergeblichen Bewerbung bei der Polizei gelang es Nasser, doch noch einen Fürsprecher zu finden und er konnte seine militärische Ausbildung beginnen. Auch weil die Briten ihre Militärpräsenz verringerten, konnte Nasser bei der Armee anfangen. 1939 gründete er zusammen mit Anwar as-Sadat und anderen Gleichgesinnten den Geheimbund „Freie Offiziere“. 1952 gelang der Putsch gegen den König Faruk und die Putschisten übernahmen die Führung des Landes. General Nagib wurde 1953 erster Staatspräsident der jungen Republik Ägypten, Nasser wurde sein Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident. Nach Streitigkeiten mit Nagib setzte Nasser ihn ab und war nun selbst Staatspräsident und Ministerpräsident zugleich. 1956 bestätigte das Volk ihn durch eine Wahl in diesem Amt.

Innenpolitisch setzte Nasser einige Wegmarken. Er förderte die Gleichberechtigung von Mann und Frau und ermöglichte Frauen den Zugang zu Bildung, eigenem Einkommen, Wahlrecht und Unabhängigkeit von den Männern. Auch wenn diese Reformen nicht in der ganzen Gesellschaft Einzug hielten, nämlich nur in den höheren Schichten, veränderte es die ägyptische Gesellschaft nachhaltig. Nach der Verstaatlichung der Suez-Kanal Gesellschaft und dem darauffolgenden militärischen Eingreifen von Frankreich und Großbritannien wandte sich Nasser der Sowjetunion zu, die gemeinsam mit den USA die Aggressoren zum Rückzug und zur Einstellung der Kampfhandlungen aufgefordert hatten. Auch die UdSSR erkannten den Sinn einer Zusammenarbeit mit Ägypten, um ihren Einfluss im Norden Afrikas auszudehnen. Als sich die USA aufgrund der Hinwendung Ägyptens zur UdSSR aus dem großen Staudammprojekt bei Assuan zurückzogen, sprangen die Russen mit Finanzmitteln, Baumaschinen und Fachkräften ein.

Seine innenpolitischen Erfolge waren aber auch von einigen außenpolitischen Niederlagen begleitet. Im jemenitischen Bürgerkrieg konnte Ägypten als Unterstützer der Republikaner keinen nennenswerten Einflussgewinn verzeichnen. Auch die  Niederlage im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel war eine bittere Pille für Nasser. Da diese Niederlage für Nasser unerträglich war, erklärte er seinen Rücktritt, kehrt aber wenig später auf Drängen seiner Anhänger ins Amt zurück. Nasser hatte bemerkt, dass auf den Bündnispartner Sowjetunion wenig Verlass war und wandte sich deshalb den USA zu. Pläne für eine friedliche Annäherung an Israel verfolgte maßgeblich sein Vizepräsident Anwar as-Sadat, der diese auch nach Nassers Tod 107ß als Regierungschef fortsetzte.