Ägypten ist ein islamisches Land, in dem die Muslime das kulturelle und gesellschaftliche Leben bestimmen. Mit einem Anteil von 90% an der Bevölkerung stellen sie eine deutliche Mehrheit dar. Im Unterschied zum religiösen Leben in Europa, das sich im Mittelalter durch den Bau von Kirchen nach Aussen hin repräsentierte, prägen in Ägypten Moscheen mit ihren Minaretten das Bild der Städte. Die Gebetszeiten der Gläubigen bestimmen den alltäglichen Rhythmus. Das war nicht immer so, denn bei dem Stichwort „Ägypten“ fallen den meisten Menschen sofort die Pyramiden von Gizeh ein. Sie sind Ausdruck des Glaubens in der ersten, religiösen Phase in der Geschichte Ägyptens. Man bezeichnet diese Phase auch als das pharaonische Altertum, in dem ein Glauben an die altägyptische Götterwelt verankert war. Die zweite Phase ist die christliche Phase. In dieser Phase entstand die koptische Kirche. Und schließlich ist die islamische Phase die Zeit, in der sich Ägypten religiös betrachtet aktuell befindet. Wie bei so vielen Epocheneinteilungen zum Beispiel in der Kunstgeschichte ist es schwierig, eindeutige Grenzen zu ziehen, denn solche Grenzen zwischen den einzelnen religiösen Phasen kann es natürlich nicht geben. Insofern lässt sich auch nicht genau datieren, ab wann Ägypten als islamisch bezeichnet werden kann.Einen ungefähren Zeitraum für den Übergang vom christlichen zum islamischen Gesellschaftsleben sehen Geschichtsforscher in der Eroberung Ägyptens in den Jahren 640 bis 642. Zu diesem Zeitpunkt setzte ein Rückgang der religiösen Dominanz der Christen zu Gunsten der Muslime ein. Allerdings sind solche Aussagen auch mit Vorsicht zu betrachten, denn die herrschende Elite war eine Minderheit. Die Art und Weise, wie die Bevölkerungsmehrheit ihr religiöses Leben zelebrierte, kann sich davon erheblich unterschieden haben. Als zentrale Orte für das religiöse Leben entstanden in der Folgezeit Moscheen und Koranschulen mit teilweise prächtigen Ausmaßen, deren Bau staatlich unterstützte Projekte waren. Kirchen und Klosteranlagen standen in ihren baulichen Dimensionen deutlich hinter den Moscheen. Um sich als Reisender in Ägypten angemessen und respektvoll der Religion und ihren Anhängern gegenüber zu verhalten, sollte jeder Urlauber vor Reiseantritt eine kleine Ahnung haben von dem, was ihn erwartet. Es gibt nämlich nicht wenige Ägypter, die die Touristen mit Argwohn betrachten und gar nicht verstehen, dass die Sehenswürdigkeiten aus der pharaonischen Zeit so viel Aufmerksamkeit genießen, wohingegen Moscheen eher als zweitrangige Sehenswürdigkeiten in der Beliebtheit der Touristen rangieren. Dieses Problem verstärkt natürlich noch die Tatsache, dass „Ungläubige“ Moscheen nicht betreten dürfen, womit sich die Argwöhnischen in einem Dilemma befinden. Aber das soll hier nicht Gegenstand sein. Auf jeden Fall werden viele Dinge des Alltags leichter, wenn Touristen die Hintergründe verstehen. So lassen sich Missverständnisse vermeiden und der Zugang zu den kulturellen Schätzen des Landes wird erheblich leichter. Die folgenden Artikel sollen Ihnen dazu den Weg ebnen.