Die Göttin der kosmischen Ordnung heißt Ma’at, was sich vom ägyptischen Tätigkeitswort „ma’a“ ableitet. Dieses Wort lässt sich eigentlich nicht genau übersetzen, es bedeutet aber auch soviel wie lenken, richten, ausrichten, den Dingen eine Richtung geben. Das Gegenteil von Ma’at ist Isfet, das Chaos, das in Erscheinung tritt, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt oder die kosmische Ordnung aus dem Gleichgewicht geraten. Die Aufrechterhaltung dieses kosmischen Gleichgewichts war ein zentraler Gedanke der altägyptischen Religion, denn nur ein regelmäßiger Rhythmus in der Natur wie die Nilüberflutungen ermöglichten eine reiche Ernte und sorgten so für eine solide Lebensgrundlage. Unsicherheit im natürlichen Rhythmus bedeutet Unsicherheit der Lebensgrundlagen. Ganz wichtig dabei war, dass die guten Kräfte der Götter gegen die zerstörerischen Kräfte die Oberhand behielten und der Sonnengott Re bei seinem Weg durch die Unterwelt zum Beispiel nicht aufgehalten wurde, damit sich die Regeneration der Schöpfung fortsetzen konnte. Opfergaben wurden dazu als adäquates Mittel angesehen und der Pharao war für die Ma’at zuständig. Die Tempelkulte waren weder regelmäßige Ausdruck dafür.

Um die Gesellschaft im alten Ägypten stabil aufrecht zu erhalten, gab es eine streng gegliederte Gesellschaftsordnung mit einem eindeutigen, hierarchischen Prinzip. Dieses Prinzip verlangte Verantwortung für die Untergebenen und Loyalität gegenüber den Vorgesetzten. Die Vorgesetzten wurden als „Hörende“ bezeichnet und sollten stets ein „offenes Ohr“ für die Belange ihrer Untergeben haben, um als „gerechte Menschen“ ins Jenseits zu kommen, der sich um die Armen gekümmert und um Gerechtigkeit bemüht hat. Für das diesseitige Leben bedeutete das aber zunächst Ehre und Wertschätzung, und war auch gleichzeitig die Grundlage dafür, dass das eigene Land und die Nutzungsrechte daran an die folgende Generation vererbt werden konnte, denn Amtsmissbrauch oder Beschwerden konnten dafür hinderlich sein. Doch konnten Verfehlungen auch abgegolten werden. Durch solche Prinzipien sollten die Korruption oder die willkürliche Akkumulation von Reichtum in den Händen einer elitären Minderheit vermieden werden.

Wie jeder sein Leben M a’at-gerecht gestalten konnte, wurden schon den Schülern die vielen Tugenden vermittelt, das ermöglichten. Diese Tugenden gaben die Richtung für ein moralisch korrektes Leben vor. Solche Tugenden sind zum Beispiel, sich um die Bedürfnisse Anderer zu kümmern, sich selbst zurückzunehmen, bescheiden zu sein, seine Worte abzuwägen, sich an die guten Taten der Mitmenschen zu erinnern und diese bei Gelegenheit zu vergelten, der Verstorbenen zu gedenken und Opfer zu spenden. In all diesen Belangen des Lebens war der Pharao ein Vorbild.