Bekanntschaften und Einladungen in Ägypten

Auf Reisen kommen Menschen der unterschiedlichsten Kulturen zueinander. Je weiter Herkunfts- und Urlaubsland von einander entfernt sind, desto exotischer werden die Begegnungen. Die Entfernung von Deutschland nach Ägypten sorgt zum Beispiel durchaus noch für solche exotischen Begegnungen. Sowohl die Urlauber als auch die Einheimischen ziehen gewisse Vorteile aus solchen Begegnungen, wobei die Begegnungen fü die Besucher eher zufälliger Natur sind, jedoch Ägypter manchmal gezielten Kontakt suchen.

So kann es passieren, dass vor allem Städter aus der aufstrebenden Mittelschicht sich freuen, dass sie ihreFremdsprachenkenntnisse auffrischen können und ein bisschen internationales Flair entsteht. Diese Bevölkerungsgruppe ist Touristen gegenüber eher aufgeschlossen und mehr an der westlichen Lebensweise interessiert als am streng religiösen Leben. Vor allem Studenten nutzen Gelegenheiten für einen internationalen Gedankenaustausch, bei dem am Ende möglicherweise auch e-Mail Adressen hin und her gereicht werden. Sie verknüpfen damit nämlich die Hoffnung auf einen guten Job oder eine Ausbildung im Ausland.

Möchte man als Besucher in die zahlenmäßig kleineren, höheren Gesellschaftsschichten vordringen, sollte man sich auch in den entsprechenden Milieus bewegen und sich dem jeweiligen Ambiente durch Verhalten und Kleidung anpassen. In Kairo und Alexandria bevölkern die Angehörigen der Oberschicht die teuersten Restaurants, Boutiquen, Kaufhäuser, Clubs und Hotels und sie schotten sich gegenüber der normalen Bevölkerung ab. Es dürfte deshalb auch für Touristen relativ kompliziert sein, in solche Kreise vorzudringen, denn normale Touristen gelten als ordinär. Hier sind eher Bekanntschaften aus dem internationalen Jet-Set gefragt.

Im Gegensatz zu den Städten ist die Wahrscheinlichkeit dafür, das man eingeladen wird, auf dem Land sehr viel kleiner. Das liegt vor allem an den fehlenden Fremdsprachkenntnissen, an Vorurteilen oder Unwissenheit beider Seiten. Ein anderer Grund sind einfach fehlende Gelegenheiten für Touristen, denn sie werden zumeist in Gruppen zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten gebracht, die sich in der Nähe großer Städte befinden. Landausflüge auf eigene Faust sind dagegen kaum möglich und werden von den ägyptischen Sicherheitskräften auch nicht gern gesehen, denn nach terroristischen Anschlägen wurden die Sicherheitsvorkehrungen für Touristen in Ägypten verstärkt. Jede Negativschlagzeile würde dem Tourismus schaden.

Wenn sich dann doch einmal eine Gelegenheit ergibt, sollte man einige Ratschläge beherzigen. Die Einladung kommt dann nicht von irgendjemandem, sondern von der Respektsperson des Dorfes. Die Einladung von westlichen Touristen hat nämlich eine unmittelbare Auswirkung für die Dorfhierarchie und spricht sich sehr schnell herum. Die einladende Familie wird ihr Ansehensteigern. Beim Tee wird man zuerst ein kleines Gastgeschenk überreichen. Danach zeigt man sich interessiert an den Familienverhältnissen und fragt zum Beispiel nach den Kindern. Um Fettnäpfchen zu vermeiden, empfehlen sich Bescheidenheitund Zurückhaltung, man ist freundlich und höflich. Man spricht über leichte Themen und das, was einem gefällt. Schwierige und möglicherweise politische oder religiöse Themen vermeidet man.

Wenn man als Tourist bei einer Begegnung den Eindruck hat, dass sie nicht zufällig zustande kommt sollte man vorsichtig sein. An den Touristenpfaden bieten sich Ägypter als Führer an, es entwickelt sich ein Gespräch und am Ende landet man in einem Geschäft und soll etwas kaufen. Auch vor vermeintlichen Romanzen sollte man sich in Acht nehmen, vor allem alleinreisende Frauen werden nicht selten von Gigolos angesprochen Am Ende ist man enttäuscht oder um sein Geld gebracht.