Der Blaue Nil

Größter Nebenfluss und Hauptwasserträger des Nil

Einer der größten Nebenflüsse und Hauptwasserträger des Nil ist der Blaue Nil. Er verdankt seinen Namen durch die von ihm mitgeführten Erde aus Äthiopien. Diese Erde, die sehr fruchtbar und dunkel gefärbt ist, schwemmt der Blaue Nil auf und trägt sie weiter auf seiner Reise zum Mittelmeer. Normalerweise würde sich die mitgeführte Erde im Nildelta im Norden Ägyptens ablagern und somit lebenswichtige Nährstoffe der umliegenden Umgebung liefern, jedoch ist dies nicht mehr möglich seit der Errichtung des Assuan-Staudammes. Dieser lässt den Nil nicht mehr mit der aus Äthiopien stammenden Erde problemlos durchfließen, stattdessen sinkt die Erde auf den Boden des Nil und lagert sich dort am Assuan-Staudamm Schicht für Schicht ab. Im Arabischen wird der Blaue Nil ?????? ??????? - al-Bahr al-Aschraq genannt. Er entpringt genau wie der Atbara, ein weiterer Nebenfluss des Nil, im äthiopischen Hochland und mündet ebenfalls in den Tanasee, dem größten See Äthiopiens. Von dort aus fließt er Richtung Sudan weiter, wo er sich schließlich mit dem Weißen Nil, dem geläufigen Nil, vereinigt und nach Ägypten in das Mittelmeer fließt. Etwa 30 km südlich vom Tanasee entfernt liegt die Stadt Tis Issat, die direkt an der größten Attraktion Äthiopiens liegt. Diese Attraktion ist eines mit der beeindruckendsten Naturschauspiele in Äthiopien und vielleicht auch in ganz Afrika. Dort ergießt sich der Blaue Nil etwa 42 m und mit einer Breite von rund 400 m in die Tiefe. Er ist somit der zweitgrößte Wasserfall im gesamten  Afrika. Insgesamt hat der Blaue Nil eine ungefähre Länge von 1.780 km. In früheren Zeiten, genau genommen vor 1893,  wurde der Blaue Nil als der eigentliche Nil angesehen. Man erkannte aber, dass nicht der Blaue Nil als Nil fungieren kann und beschloss 1893 den Blauen Nil als Hauptnebenfluß zu betrachten. 1929 und 1959 kam es zur Unterzeichnung eines Abkommens zwischen dem Sudan und Ägypten, was besagt, dass alle Anrainer vom Recht abtreten, den Nil in seinem Verlauf und durch eventuelle wirtschaftliche Nutzung zu beeinflussen. 1929 wurde ein Vertrag zwischen Ägypten und Großbritannien geschlossen und 1959 wurde nochmals ein Abkommen zwischen dem Sudan und Ägypten geschlossen über die Nutzungsrechte des Nil. Da nun aber Äthiopien ein sehr wüstenreiches Land ist und die Bevölkerung auf die wirtschaftliche Nutzung des Nil in Form von Bewässerung von Äcker angewiesen ist, kam es zu Spannungen zwischen Ägypten und Äthiopien. Obwohl Äthiopien der Staat ist von wo aus der Nil entspringt und Äthiopien 80% der Wassermenge führt, beruft sich Ägypten auf die beiden Abkommen von 1929 und 1959. Äthiopien selber besitzt nur etwa 1% der gesamten Wassermenge des Nil als Nutzungsrecht. Sollte dennoch widererwartend der Nil umgeleitet oder im Verlauf beabsichtigt gestört worden sein, ist es für Ägypten eine Art Kriegserklärung. Es ist eine schwierige Problematik für beide Seiten. Äthiopien benötigt dringend einen höheren Wasserbedarf zwecks Bewässerung, würde somit dem Nil Wasser "entwenden" oder ihn zum Teil umleiten. Ägypten hingegen kann nicht nachgeben, da es Angst hat, wenn die restlichen 5 Länder ihre Ansprüche geltend machen und jeder den Nil umleitet oder zur Bewässerung einsetzt, dann würde Ägypten nicht mehr genügend Wasser besitzen und es würde langsam austrocknen. Somit ist es ein ernstzunehmendes Problem.