Der Nil

Verlauf

Der Nil hat seinen Ursprung in den Bergen von Burundi und Ruanda und besteht aus zwei Quellflüssen, die zusammen in den Akagera-Nil fließen und den weißen Nil speisen, den Blauen Nil, der als Hauptnebenfluß fungiert und einigen anderen Nebenflüssen und mündet nach einem Verlauf durch sechs Staaten in das Mittelmeer.

Ursprung und Verlauf

Da der Nil aus zwei Quellflüssen besteht, besitzt er demzufolge auch zwei Quellen. In früheren Zeiten wurde angenommen, dass der Ursprung im Viktoriasee liegt. Heute weiß man, dass der Ursprung des einen Quellflusses in Burundi liegt, genauer gesagt in Luvironza. Luvironza ist der höchste Berg in Burundi mit einer Höhe von etwa 2.700 m und ist in Ostafrika gelegen. Nach ihm ist auch der 1. Quellfluss des Nil benannt, der nach etwa 110 km in den Ruvuvu, einem Nebenfluß des Kagera, mündet. Der Luvironza wurde von zwei Afrikaforschern aus Österreich, Oscar Baumann (1864–1899) und Oscar Lenz (1848–1925) , die auf der Suche nach der Quelle des Luvironza waren, 1893 entdeckt. Später wurde die geographische Lage vom deutschen Richard Kandt (1867–1918) festgelegt.Nachdem der Luvironza in den Rivuvu gemündet ist, fließt dieser weiter nördlich in den Ruvusu. Der Ruvusu, der nach 350 km Akagera genannt wird, bildet schließlich den weißen Nil. Dieser Quellfluss des Nils ist der Längste mit 6.671 km Länge und fließt von seinem Ursprung in den Berghängen von Burundi bis zur Mündung in das Mittelmeer. Der zweite Quellfluss, welcher 1898 von Richard Kandt entdeckt wurde und den Nil speist, hat seinen Ursprung in Ruanda und ist der Kürzere der Beiden. Seine Quelle liegt verborgen im Nyungwe-Wald, einem Gebiet in etwa 2.500 m Höhe am ostafrikanischen Graben. In nur 40 km Entfernung befindet sich der Kivusee und in 185 km südlich der längere Quellfluss von Burundi. Der Rukara, wie der Quellfluss genannt wird, bildet nach etwa 50 km zusammen mit dem ihm zuströmenden Nebenfluss Mwogo den Nyabarongo. Dieser ist etwa 225 km lang. Der Nyabarongo bekommt ebenfalls einen Zufluss von einem Nebenfluss – den Akanyaru, der südlich der Hauptstadt Ruanda zufließt. Beide Flüsse sind nur mit kleinen Schiffen befahrbar, da sie nicht die notwendige Tiefe für größere Schiffe besitzen. Nach Erreichen des Lac Rweru (See Rugwero) wechselt der Nyabarongo seinen Namen zu Akagera. Von dort aus fließt er in Richtung Osten und schneidet dabei die Grenzen von Tansania und Ruanda. In Tansania trifft er auf den Ruvusu, einen Teilabschnitt des Quellflusses in Burundi. Insgesamt ist der Akagera-Nil etwa 850 km lang. Nachdem der Akagera-Nil den ihm schneidenden Ruvusu in Tansania aufgenommen hat, fließt er über die Chutes Rusumu (Wasserfall - Rusumu Falls) in Richtung Norden. Nachdem der Akagera-Nil die Rusumu Falls überwunden hat, bildet er den Akagera-Nationalpark und somit die Grenze zwischen Tansania und Ruanda, fließt schließlich nördlich und erreicht das Dreiländereck Ruanda-Tansania-Uganda und fließt entlang der Grenze von Tansania und Uganda in östlicher Richtung den Stromschnellen entgegen. Nachdem er die zahlreichen Stromschnellen in Nord-Tansania überwunden hat, mündet der Akagera-Nil in den Viktoriasee. Einige Wissenschaftler sehen die Quelle des Nils erst ab hier, aus dem Viktoriasee entspringend, und dann nördlich in das Mittelmeer fließend. Diese These wird jedoch in der Wissenschaft noch stark diskutiert. Einig sind sich die Wissenschaftler im Verlauf des Nils ab dem Viktoriasee. Dieser entspringt am nördlichen Teil des  Viktoriasees in Uganda und heißt nun nicht mehr Akagera-Nil sondern Viktoria-Nil. Der Viktoria-Nil durchquert den Kyogasee und die Kabalega Falls und mündet anschließend in den Albertsee. Dem Namen hat der Albertsee zu Ehren von Prinz Albert aus England erhalten.

Aus dem Albertsee fließt der Nil nun als Albert-Nil, der ebenfalls den Namen des Prinzen zu Ehren trägt, von Uganda Richtung Norden bis zur Grenze des ostafrikanischen Staates Sudan. Ab der Grenze im Sudan wechselt der Nil wieder seinen Namen und heißt nun Bahr al-Dschabal, eine arabische Bezeichnung für "Bergfluss". Innerhalb des Sudan fließt der Nil in ein Sumpfgebiet, namens Sudd, wo etwa die Hälfte des Wassers dort verdunsten. Das liegt an den klimatisch trockenen Verhältnissen des Sudan. Der Nil setzt seine Reise Richtung Mittelmeer fort und verlässt das Sumpfgebiet Sudd und mündet im No-See, der ebenfalls von einem weiteren Fluss, dem Bahr al-Ghazal, gespeist wird. Beide Flüsse fließen nun zusammen und entspringen als Weißer Nil dem See. Der Weiße Nil fließt ein Stück ostwärts bis er im Jonglei-Kanal einmündet. Dort trifft er auf dem ihn zufließenden Nebenfluss Sobat und setzt seine Reise in Richtung Khartum im Norden weiter. Aus Äthiopien zuströmend, fließt der Blaue Nil, ein weiterer Nebenfluss des Nil, in den Weißen Nil ein. Ab diesem Punkt, also ab Khartum wird der Weiße Nil nun Nahr an-Nil bezeichnet. Dies ist ebenfalls eine arabische Bezeichnung und steht für "Nilfluss". Ein weiterer Nebenfluss, der Atbara, mündet in den Nil ein. Nun begibt sich der Nil nordwärts aufströmend auf eine Reise durch karge Wüsten wie die Nubische Wüste oder die Lybische Wüste und verläuft in s-förmiger Richtung. An der Grenze vom Sudan nach Ägypten durchquert der Nil den Nassersee, an dem viele Sehenswürdigkeiten Ägyptens liegen. Außerdem befindet sich dort der Assuan-Staudamm, der 1960-1971 errichtet wurde und den See aufstaut. Nach der Durchquerung des Nassersees durchfließt der Nil Ägypten in nördlicher Richtung. Ab dem Gebiet von Qena wird der Nahr an-Nil nur noch Nil bezeichnet und fließt in östlicher Richtung am Fayyum-Becken vorbei, mit dem er über den Kanal Bahr Yusuf verbunden ist und wechselt im Nildelta angekommen seine eigentliche Form als Strom. Ab hier beginnt sich der Nil in unzählige kleinere Flüsse aufzuspalten und bildet das Nildelta, was eine ungefähre Fläche von 24.000 km² besitzt und mündet danach in das Mittelmeer.