Die altägyptische Literatur kann in literarische und nicht-literarische Texte unterschieden werden. Zu den literarischen Texten gehören Papyri und Briefe. Zu den nicht-literarischen Quellen gehören beispielsweise Grabinschriften, Reliefs, Stelen usw.

Medizinische Dokumente

In Ägypten wurde eine Reihe von medizinischen Dokumenten gefunden, die mehr oder weniger gut erhalten sind. Am bekanntesten sind die Papyri Ebers, Smith und Kahun, auch Lahun-Papyrus genannt.

Die nachfolgende Übersicht gibt Aufschluss über die wichtigsten medizinischen Dokumente des alten Ägyptens.

  • pRamesseum V.
  • pBeatty VI.
  • pKahun
  • pKahun veterinär
  • pEber
  • pSmith
  • pBrooklyn 47.218.48 + 85
  • pHearst
  • pLouvre
  • pCarlsberg III.
  • pBerlin 3038
  • pRubensohn
  • p-Fragment Zagreb
  • dem. pBerlin
  • dem. Carlsberg Kräuterbuch
  • dem. pWien
  • Ostrakon London
  • Ostrakon Paris
  • Ostrakon Kairo
  • Ostrakon Leiden
  • Ostrakon Berlin

Sammelhandschriften und Fachbücher

  • Fachbücher behandeln eine Thematik, Bsp: pKahun, pSmith, pBeatty VI.

  • Sammelhandschriften enthalten Texte unterschiedlicher Bereiche, können jedoch in sich Fachbücher enthalten, z.B. pEbers: Rhizinusbuch, Gefäßbuch

  • Sammelhandschriften Bsp: pEbers, pHearst, pBerlin, pLondon

Textarten

Medizinische Texte konnten anhand ihrer stilistischen Anordnung in verschiedene Textarten unterschieden werden. Diese wären wie folgt:

  • Lehrtexte

  • Prognosen

  • Rezepte

  • Zaubertexte

  • Exzerpte (thematische Zusammenstellung von Texten)

LehrtexteLehrtexte sind die wohl ältesten medizinischen Schriften, die im Ägyptischen als sS#.w = Lehrtext (von kundig sein abgeleitet) wiedergegeben worden sind. Der Aufbau für Lehrtexte ist einem strengen System vorgenommen worden, der wie nachfolgend ausgesehen hat:Aufbau: Die Überschrift beginnt mit dem Hinweis auf die Krankheit selbst bzw. dem erkrankten Organ oder Körperteil „Heilkunde für die Krankheit X bzw. des Körperteils Y“. Danach folgt die Untersuchung, die seitens des Arztes vorgenommen wurde. Dies wird in einem bestimmten Muster vollzogen, das mit jr X#i=k „wenn du untersuchst“, jr wpj=k „wenn du beurteilst“, jr m##=k „wenn du betrachtest“, jr gmj=k „wenn du findest“ eingeleitet wird. Danach folgt eine Aufzählung der Symptome mit sDm.Hr=k-Formen oder seltener sDm.jn=k-Formen „dann sollst du…“. Die Diagnose wird stets mit Dd.Hr=k r=s „dann sollst du dazu sagen“ eingeleitet. Das vom Arzt ermittelte Ergebnis wird mit einem pw-Satz ausgedrückt „dies ist ein Fall von…“.Nach der Diagnose schließt sich das Verdikt an. Beim Verdikt werden die Heilungsaussichten beurteilt. Die Ägypter unterschieden dabei zwischen drei Prognosen. 1. Die Krankheit ist behandelbar. Dies wurde mit mr jrj=j „Ein Krankheitsfall, den ich behandeln werde“ wiedergegeben.2. Die Heilung ist ungewiss, die Krankheit sollte aber behandelt werden. Dies wurde mit mr oH#=j Hno „Ein Krankheitsfall, mit dem ich kämpfen werde“ ausgedrückt. 3. Der dritte Fall ist der hoffnungslose Fall, der eine Behandlung sinnlos macht und der mit mr n jrj.w=nj „Ein Krankheitsfall, den man nicht behandeln kann“ wiedergegeben wurde.Die Therapie richtet sich nach dem Krankheitsleiden. Grundsätzlich werden in der Therapie die zu verabreichenden Drogen aufgezählt. Dies wurde im Ägyptischen mit jrj.Xr=k „Dann sollst du machen“ oder jrj.jn=k „Dann musst du machen“ wiedergegeben. Die Therapie endete mit den Worten, dass der Patient in ein paar Tagen wieder gesund ist.Nach der Therapie folgen Glossen, bei denen Wortphrasen oder Wörter mit dem jr der Hervorhebung wiederholt und mit dem pw-Satz erläutert werden. Dies ist vor allem beim  Papyrus Smith der Fall. Als letzte Instanz wurden Alternativen und Besonderheiten beschrieben, die vornehmlich bei Abweichungen und Komplikationen mit jr swt gmj=k „Wenn du aber findest“ eingeleitet werden. Prognosen Prognosen wurden vornehmlich bei Schwangerschaft, Geburt und Überlebensfähigkeit des Neugeborenen gebraucht. Diese wurden stark verkürzt. Die Begrifflichkeiten sj# und rX „erkennen“ treten in der Überschrift auf, die Untersuchung, die mit dem jr m##=k-Schema bei den Lehrtexten eingeleitet wurde, fällt nun weg. Die Untersuchung beginnt gleich mit sDm.Xr=k-Formen „dann sollst du…“ und wird mit jr gmj=k abgeschlossen. Die Diagnose mit den Formen wie sie in den Lehrtexten auftauchen, ist eher selten. Stattdessen treten Fragen zu Geburt und zum Vorliegen einer Schwangerschaft als Hauptthemen in den Alternativen auf. RezepteRezepte sind kurze und prägnante Auflistungen von Drogen, die wenig bis keinen Lehrtext enthalten. Rezepte sind dadurch gekennzeichnet, dass die in der Überschrift bereits das kranke Organ, die Diagnose und die Therapie enthalten, zum Beipspiel:„Heilmittel, das gemacht wird für das Beseitigen der Krankheit A am Körperteil B“ oder als zweite Variante mit dem Wort sp „Mittel“…“dann sollst du Mittel machen zum…“. Ebenso verbreitet war ein Nennen der Heilmittel und Behandlungsformen in der Überschrift. Nach der Überschrift folgt die Aufzählung der Drogen mit sDm.Xr=k-Formen „dann sollst du…“, die jedoch ins Passiv verkürzt wurden. Zum Beispiel: rdj wnm=f „werde veranlasst, dass er esse“.ZaubertexteZaubertexte werden in zwei Sparten unterschieden. Einmal Zaubertexte mit medizinischer Anwendung und einmal ohne medizinische Anwendung. Zaubertexte mit medizinischer Anwendung sind beispielsweise Begleittexte, die der Arzt während der Therapie rezitiert. Diese Art der Zaubertexte wird in der Überschrift mit r# „Zauberspruch“ gekennzeichnet. Zaubertexte ohne eine medizinische Anwendung hingegen charakterisieren sich in der Nennung der zu beschwörenden Krankheit. Dabei werden Götter angerufen, um die bösartigen Dämonen, die die Krankheit verursachen, zu beseitigen. In der Überschrift dieser Art der Zaubertexte wird Snt „Beschwörung“ genannt. ExzerpteExzerpte sind thematische Zusammenstellungen von Texten, die unter dem Begriff rX „Wissen“ zusammengefasst werden. Exzerpte kommen zum Beispiel im Papyrus Ebers vor.Sprachliche BesonderheitenDie Ägypter hatten im Grund genommen keine eigene medizinische Sprache, die durch Fachtermini gekennzeichnet war. Jedoch muss man erwähnen, dass die medizinischen Texte wegen der typischen stilistischen Sprachmittel relativ einfach identifiziert werden können. Typische stilistische Mittel sind zum Beispiel das jr der Hervorhebung, was mit „gesetzt den Fall, dass…“ übersetzt werden kann oder die sDm.Xr=k-Formen. weiterlesen im Artikel: Der Kranke in der ägyptischen Gesellschaft
weiterlesen im Artikel: Der Arzt in der ägyptischen Gesellschaft
weiterlesen im Artikel: Die bekanntesten medizinischen Papyri in der Übersicht

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