Entwicklung der Königsgräber in der 19. Dynastie

Zeitraum: 1293-1185 v.Chr.

Mit Ramses I(Menpehtire, 1306 v. Chr – 1304 v. Chr. ) beginnt die 19. Dynastie. Das Grab ist unvollendet geblieben, wahrscheinlich durch den frühen Tod des Königs verursacht. Somit wurde die Sarkophaghalle hinter dem zweiten Korridor ausgearbeitet. Es ist demnach kein Schacht, aber ein Nebenraum vorhanden. Wie bei Aja ist die Dekoration der Wände nur in der Sarkophaghalle ausgeführt worden. Hierbei handelt es sich um eine Bemalung des Putzes. Die anderen Räume sind ohne Dekoration geblieben. Man kann darauf schließen, dass es sich aufgrund dessen um eine Notdekoration handelt.Sethos IDer wichtigste Einschnitt in der Entwicklung des Neuen Reichs ist durch Sethos I(Menmaatre, 1304 v. Chr. - 1290 v. Chr.) gekenntzeichnet. Es gibt zahlreiche Neuerungen, die in der gesamten 19. Dynastie beibehalten wurden. Seine Grabanlage ist mit 120 m Länge und am tiefsten im Fels eingehauende Königsgrab in Biban el-Muluk und ist durch Nebenräume erweitert. Das Grab ist wesentlich komplexer als das seiner Vorgänger und ahmt in seiner Innenarchitektur höchstwahrscheinlich die Struktur der Unterwelt nach. Das Relief bestimmt erstmals die gesamte Dekoration des Königsgrabes. Anders wie bei seinen Vorgängern dekoriert Sethos I auch Korridore und alle anderen Räumlichkeiten. Der erste Korridor ist mit einem Eingangsmotiv, dem König vor Re-Harachte, und der Sonnenlitanei und dessen 75 geheimen Gestalten des Sonnengottes Re dekoriert. Diese Dekorationsweise des ersten Korridors durchzieht die gesamte 19. Dynastie bis Ramses III. Der zweite Korridor enthält die 4. Stunde des Amduat und die Hymne des Re, welche ebenso beibehalten wird. Der dritte Korridor ist wie auch bei seinen Nachfolgern mit der 4. und 5. Stunde des Amduat versehen. Die Korridore 4 und 5 sind mit Mundöffnungszeremonien belegt, welche ebenso in der 19. Dynastie beibehalten wird. Der 1. Pfeilersaal ist mit dem Pfortenbuch 4 und 5 versehen, was unter anderem das Totengericht mit Osiris darstellt. Außerdem lassen sich Königsmotive zusammen mit Göttergestalten im 1. Pfeilersaal sowie im Vorraum finden. Die 4 Pfeiler des Saales sind im Flachrelief mit Königs- und Göttergestalten dekoriert ebenso auch im Vorraum. Im Nebenraum, welcher erstmals im Neuen Reich auftritt, ist die 9.-11. Stunde des Amduat zu finden. Die Pfeiler dort sind wie im 1. Pfeilersaal mit Königs-und Götterdarstellungen geschmückt. Wie bei Amenophis II ist die Sarkophaghalle zweigeteilt. Die Wände des oberen Teiles sind mit Auszügen aus dem Pfortenbuch, genau genommen die 1., 2. und 4. Stunde erstmals ausgekleidet. Die Wände des unteren Teiles, in dem der Sarkophag eingebettet ist, geben Auszüge des Amduat wieder. Erstmalig ist die Decke der Sargkammer als Tonnengewölbe konzipiert. Der Grundton ist dunkelblau gehalten und mit roten und gelben astronomischen Darstellungen wie Sternbilder und Listen verschiedener Dekane des Nordhimmels gestaltet. An den 6 Pfeilern lassen sich Königsdarstellungen und Gottheiten finden. Außerdem ist der Sarkophag neugestaltet. Er ist nicht mehr wie üblich in Kastengestalt angelegt, sondern anthropomorph. Die Sarkophagwanne ist aus Alabaster, ungefähr 5 cm stark und durchscheinend. Die gesamte Oberfläche ist in einem versenkten Relief mit blauer Farbe bearbeitet worden und gibt einzelne Abschnitte des Pfortenbuches wieder. Erstmals sind in Nebenräumen Pfeiler verwendet worden. Der Schacht ist teilweise verschüttet. Der obere Teil ist sichtbar und mit Sorgfalt ausgearbeitet.Die Grabanlage des Ramses II
(Usermaatre setepenre, 1290 v. Chr. - 1224 v. Chr. )hingegen ist in einem schlechten Zustand. Wasser hat das Grab mehrfach überschwemmt und Ablagerungen wie Schutt und Salzen an den Wänden verursacht. Dadurch sind viele Dekorationen verloren gegangen. Im Großen und Ganzen orientierte sich Ramses II in der Innenarchitektur an dem Grab seines Vaters und Vorgängers Sethos I. Allerdings ist die Achse des Grabes abgeknickt, was nach Hornung und Reeves mit einer schlechten Konsistenz des Gesteins zu tun haben soll. Mit Ramses II verringerte sich der Neigungswinkel der Korridore. Dieser war in den späteren Gräbern nur noch schwach zu bemerken. Alle 5 Korridore sind wie bei seinem Vorgänger Sethos I dekoriert. Ramses II gestaltete die beiden Pfeilerhallen neu. Die Untere der Beiden ist quer zum Eingang gestellt und besitzt zwei Reihen zu je vier Pfeilern. Die Obere hingegen ist eine Kombination von einer Rampe und einer Treppe zwischen den Pfeilern. Bei Ramses II erreicht die Anzahl der Nebenräume ein Maximum von zehn. Die Ausarbeitungen der Anlage und die Dekoration von Nefertari´s Grab sind analog dem Grab des Ramses II, halten aber deutlichen Abstand. Der Weg zur Sarkophaghalle wurde von Schutt und Geröll freigeräumt, jedoch sind die Wände der Korridore noch mit einer Schuttschicht bedeckt. Die außerhalb der Korridorbreite liegenden Räume sind noch bis zur Decke mit Schutt bedeckt. Eine neue Form der Architektur der Sarkophaghalle tritt nun erstmalig auf. Ab jetzt bis Ramses VI ist die Sarkophaghalle rechteckig mit 8 Pfeilern ausgestattet. Es gibt wie bei der vorherigen Gestaltung der Halle einen vertieften abgesetzten Raumteil, der jedoch nicht am Ende platziert wurde, sondern zwischen den Pfeilern in der Mitte des Raumes. Wie gehandhabt befindet sich dort der königliche Sarkophag. Der Schachtraum ist vorhanden, aber noch teilweise mit Schutt ausgefüllt. Die Höhe des Raumes beträgt ungefähr 2,70m. Es sind Dekorationen wie Figuren und Texte an allen 4 Wänden vorhanden. Man kann 2 vollständige und den Anfang eines 3. Registers erkennen. Es wird angenommen, dass noch weitere Register sich an der Wand befinden. Nach Abmessungen der ersten 2 Register und dem Anfang des 3. Registers wird die Raumlänge auf über 3,47m geschätzt. Ob noch weitere Nebenräume angrenzen ist unbekannt.

Merenptah
(Baenre meriamun, 1224 v. Chr. - 1204 v. Chr. ) ist Vorbild für die späte 19. und 20. Dynastie. Die Zahl der Nebenräume sind vermindert, dafür sind die Maße der Korridore und des königlichen Sarkophages erweitert. Die Erweiterung erfolgt darin, dass der Eingang nicht mehr versteckt ist, wie sonst üblich, sondern representativ angelegt und ausgestaltet. Er führt nicht, wie sonst üblich, steil in die Tiefe, sondern in einer abgeflachten Form. Schacht und Treppen sind aufgegeben worden. Der Eingang des Grabes ist mit erhabenen Relief dekoriert, doch wird der Übergang zum versenktem Relief im Inneren des Grabes sichtbar. In der Motivwahl der Dekoration gibt es keine großen Änderungen außer im Schachtraum. Dort werden nur Götterszenen ohne König dargestellt. Der 4. und 5. Korridor ist vorhanden, jedoch sind beide Korridore getrennt durch den Vorraum der Sarkophaghalle und ohne Dekorationen. Durch Geröllansammlungen ist nicht genau nachweisbar, ob sich ein Schacht in der Grabanlage befindet. Um den riesigen und schweren Sarkophagdeckel von einer Breite von 2,21m bis in die Sarkophaghalle zu transportieren, mussten die Laibungen in den Korridoren vor der Sarkophaghalle abgeschlagen werden. Nach Abschlagen der Laibungen hatten die Korridore eine Breite von 2,62m bis 2,65m, gerade ausreichend Platz um den Sarkophagdeckel zu transportieren. Der Durchgang vom Schachtraum zum 3. Korridor sowie vom Schachtraum zur 1. Pfeilerhalle weisen durch Abschlagen der Laibungen rohen Fels auf. In dem abgeschlagenen Felsstreifen sind in jedem Korridor jeweils 2 Löcher mit der Unterkante eines Schwalbenschwanzes gearbeitet. Diese Löcher dienten als Verankerungen, um die neuen aufgemauerten Laibungen der Felsstreifen zu halten. Ohne diese Verankerungen wären die Laibungen nur etwa 30cm tief, 45 cm breit und 4m hoch gewesen. Das hätte dazu geführt, dass die Laibungen durch geringe Standhaftgkeit abgebröckelt wären. Die neuen Laibungen sind noch an der Decke gut nachweisbar. Im 3. Korridor zum Schachtraum hin sind neben dem bearbeiteten Felsstreifen Mörtelspuren und Mauerwerk zu erkennen. Außerdem ist in der Decke neben den Laibungen ein Türzapfenloch zu erkennen, so dass der Schachtraum mit Türen verschlossen gewesen sein musste. In dieser Grabanlage sind erstmals architektonische Veränderungen des Schachtraumes zu erkennen. Ein Teilstück des Raumes hat die Breite eines Korridors, eine Länge von 60cm und folgt direkt dem bearbeiteten Felsstreifen an der Vorderkante des Sturzes am Ende des Korridors. Das dieser Teil dem Schachtraum zuzuordnen ist, kann man an der einheitlichen Deckenhöhe erkennen. Nach den Laibungen folgen an jeder Seite des Korridors Teilstücke, die ebenfalls neu verputzt und bemalt wurden. Das zeigen die im Schachtraum angrenzenden Wände auf beiden Seiten. Dort sind die Dekorationen an der Stelle wo beide Wände aufeinandertreffen überputzt worden und somit unvollständig. Die Beischriften der Königskartuschen weisen jetzt wieder das Schema der Voramarnazeit auf. Das selbe Prinzip gilt für die Gräber Tausret und Ramses III.

Die Grabanlage des Sethos II
(Usercheprure setepenre, 1204 v. Chr. - 1194 v. Chr. ) ist unvollendet. Der Eingang ist senkrecht in den Fels gehauen. Die sonst übliche Treppe ist wie bei Merenptah nicht vorhanden. Der Durchgang zum 1. Korridor ist wie gewöhnlich mit dem Eingangsmotiv dekoriert. Im 1. Korridor sind die Litanei des Re und Königsmotive im erhabenen sowie im vertieften Relief nachzuweisen. Im 2. Korridor sind neben der Hymne des Re die 2. und 3. Stunde des Amduat an den Wänden dekoriert. Die 4. und 5. Stunde des Amduat lässt sich im 3. Korridor finden. Ein Schacht, Nebenräume sowie die Korridore 4 und 5 und der Vorraum sind nicht nachweisbar. Der Schachtraum ist wie bei seinem Vorgänger durch einen korridorähnlichen Raumteil von 63cm Länge erweitert. Allerdings ist die Deckenhöhe nicht auf einer Ebene gehalten wie bei Merenptah sondern etwas tiefer gelegen. Die Dekoration ist hier nicht wie üblich das Königsmotiv zusammen mit Gottheiten, sondern göttliche Statuen, die den Holzstatuen vom Grab des Tutanchamun ähneln. Somit weicht Sethos II in der Dekorationsweise des Schachtraumes von seinen Vorgängern ab. Der Eingang vom 3. Korridor zum Schachtraum muss durch eine Art Doppeltür verschlossen gewesen sein. Dies belegen Funde von Türzapfenlöcher und in der rechten Ecke gelegene Aussparungen für wahrscheinlich einen Türanschlag. Einen Verschluß vom Schachtraum zur 1. Pfeilerhalle ist nicht belegt, da die Laibungen mit einem bräunlich-glatten Feinputz versehen wurden. Dieser Putz wurde zusammen mit einem mit weiß übermalten Putz im Schachtraum ebenfalls verwendet. In der 1. Pfeilerhalle lassen sich 2 Pfeilerpaare finden, welche mit Göttermotiven wie Sethos II, Horus-Iwn-Mutef, Ptah in einem Schrein und andere versehen sind. An den Wänden sind die 4. und 5. Stunde des Pfortenbuches, sowie Motive des Sethos zu finden. Eine kleine tiefer gelegene Grabkammer ist in der 2. Ebene nachweisbar. Sie folgt auf den 1. Pfeilersaal. Die Wände sind grob behauen und sollten wahrscheinlich ursprünglich einen Korridor darstellen, der dann jedoch schnellstmöglich als Sarkophaghalle dekoriert werden musste. Das Dekor ist eine Putzbemalung mit Anubis-Schakale auf Schreinen, sowie zwei Reihen Gottheiten, welche die Anhänger von Re und Osiris repräsentieren. Darunter ist ein niedrigeres Register ausgestreckter, mumienförmiger Gottheiten auf Schlangen-Betten, die wahrscheinlich die 5.Stunde vom Pfortenbuch darstellen sollen. Über die ganze Länge der Decke erstrecken sich Darstellungen der Nut.

Die Grabanlage des Amenmesse
(Menmire, 1202-1199 v. Chr. (Grimal) ) ist noch nicht vollständig ausgegraben. Es ist bekannt dass das Grab einen 1. und 2. Korridor, einen Schachtraum, einen 1. Pfeilersaal sowie die Korridore 4 und 5 und die Sarkophaghalle mit Vorraum beinhaltet. Die Dekoration des Grabes weicht im Großen und Ganzen von der seiner Vorgänger, Sethos II ausgeschlossen, nicht ab. Er behält den Dekorationsstil bei. Eine Änderung ist im 1. Pfeilersaal zu verzeichnen. Dort erscheint seine Gemahlin Beketwerner zusammen mit Götterdarstellungen an den Wänden anstatt nur die üblich gewählten Motive der 4. und 5. Stunde des Pfortenbuches. An den Pfeilern hingegen ist wieder das bekannte Dekor des Königs mit Gottheiten zu finden.

Bei Siptah
(Achenre setepenre, 1194 v. Chr. - 1188 v. Chr. ) ist der 4. und 5. Korridor vorhanden jedoch folgen auf beide Korridore der Vorraum zur Sarkophaghalle, nochmals 2 Korridore und schließlich die Sarkophaghalle. Die Sarkophaghalle blieb teilweise unvollendet, da eine Reihe mit 4 Pfeilern fehlt. Daran kann man gut die Entwicklung der Raumfolge ablesen, da bei allen unvollendeten Gräbern die 4 Seitenkammern fehlen, die bei vollendeten Gräbern stets vorhanden sind. Ausgenommen sind die hinter der Sarkophagkammer liegenden Räume. Es ist kein Schacht vorhanden. Aussagungen zum Schachtraum sowie zu dessen Verschlußmöglichkeiten können wegen des schlechten Zustands des Grabes nicht gemacht werden.

Tausret
(Satre meriamun, 1188 v. Chr. - 1186 v. Chr. ) kombiniert das Königsgrab mit dem Königinnengrab. Der Schachtraum besitzt eine Größe von 2,23 x 3,13 m und ist somit untypisch sehr klein gehalten. Die genauen Maße siehe Amenophis III, 18. Dynastie. Der 4. und 5. Korridor, sowie der Vorraum der Sarkophaghalle sind vorhanden. Der auf den Schachtraum folgende Raum, üblicherweise der 1. Pfeilersaal, ist, wie der Schachtraum selbst, sehr klein gehalten und es fehlen die stets vorkommenden Pfeiler. Weiterhin ist diesem Raum nicht wie gewöhnlich das Pfortenbuch sondern das Totenbuch gewidmet. Die Sarkophaghalle weicht somit von der Sarkophaghalle aller anderen Herrscher ab. Sie wurde mit 2 Korridoren an einer 2. Sarkophaghalle angehängt, die in den Raummaßen mit der 1. Sarkophaghalle übereinstimmt. Es ist kein Schacht vorhanden. Wie bei Merenptah und Sethos II besitzt das Grab des Tausret einen korridorähnlichen Raumteil im Schachtraum, der im Durchgang zum 3. Korridor zu datieren ist. Dieser Raumteil ist 54cm lang und wie bei Merenptah schließt er auf der selben Höhe wie die Decke ab. Allerdings liegt hier der Durchgang in gleicher Ebene der Wand, anders bei Merenptah, dort steht er hervor. Es sind keine Spuren von Verschlußmöglichkeiten sowie Vermauerungen an den Ein-und Ausgängen des Schachtraumes zu finden. Es ist zu vermuten, dass bei Tausret eine mögliche Planänderung vorliegt, da das korridorähnliche Wandstück im Relief gearbeitet ist, wobei die nachfolgenden Laibungen verputzt und mit weißer Farbe als Grund und mit dunkelblauer oder schwach schwarze Farbe die Königskartusche und Texte bemalt wurden. Die Laibungen wurden erst abgeschlagen und dann neu bemalt, da der Korridor zu eng für den Sarkophag zu sein schien, der im 2. Pfeilersaal gefunden wurde. Dieser misst in der Breite 1,60m, die Breite des Korridors nach dem Abschlagen der Laibungen 1,83m. Somit ist diese Planänderung wahrscheinlich zu erklären. Der Durchgang zur 1. Pfeilerhalle ist ähnlich gestaltet. Es führt ein 48cm langes Gangteil in den 1. Pfeilersaal hinein, der auf der selben Ebene liegt wie die Laibung des Durchgangs.