Neues Reich

Zusammenfassung

Die gebogene Achse des Königsgrabes bleibt im Neuen Reich erhalten, aber ein Wechsel zwischen Treppen und schrägen Korridoren findet von nun an statt. Die 3 Eingangskorridore sind in alle Gräber mehr oder weniger steil angelegt worden. Der Neigungswinkel der Decke ist nicht immer gleich dem Neigungswinkel des Fußbodens. Die Eingangskorridore wurden nach Beendigung der Grabanlage mit Schutt und Geröll bis Sethos I aufgefüllt. Ab Sethos I wurden die Korridore nicht mehr aufgefüllt, da es durch die Einführung der Verschlusstüren im Schachtraum nicht mehr möglich war. Alle Gräber sind nach der grundsätzlichen Raumart und -folge erbaut oder bei unvollendeten Gräbern begonnen worden. Es ist eine Gliederung in zwei Grabbereiche möglich. In dem oberen Bereich befinden sich der 1.-3. Korridor, der Schachtraum sowie der 1. Pfeilersaal. In dem unteren Grabbereich befinden sich ein korridorähnlicher Abgang, der 4. und 5. Korridor, der Vorraum sowie die Sarkophaghalle. Im oberen Abschnitt des Grabes sind keine Veränderungen hinsichtlich der Raumart oder -folge festzustellen. Obwohl von der Raumart und -folge des Königsgrabes nicht abgewichen wird, ist ein deutlicher Schnitt bis einschließlich Sethos I und ab Ramses II zu erkennen. Aus der länglichen Sarkophaghalle mit 6 Pfeilern wird eine Querhalle mit 8 Pfeilern. Der Sarkophag steht mittig, nicht wie zuvor am Ende des Raumes.Bis Sethos I haben die ersten 3 Eingangskorridore ein starkes Gefälle, wobei der 2. Korridor besonders betont wird. Danach werden die Eingangskorridore kontinuierlich abgeflacht. Der 2. Korridor wird nicht mehr betont. Alle Grabanlagen besitzen ab der Stirnwand des 1. Pfeilersaals 2 Ebenen, da die Gräber von diesem Punkt an in einer senkrechten Linie gesetzt wurden, also sich in einen oberen und unteren Bereich gliederten. Dies geschah ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Länge oder den Ausbaustufen des Grabes. Thutmosis III führte als Erster den Schacht ein. Dieser sollte verputzt und dekoriert werden. Ramses II hingegen änderte die Verschlussart und Gestaltung des Schachtes. Er verwendete Relief. Nur bei vollendeten Gräbern sind Schächte vor der Grabausstattung ausgearbeitet worden. Diese nehmen den gesamten Schachtraum ein. Der Schacht besaß 2 bis 3 Nebenräume, die in entgegengesetzter Richtung zur Sarkophaghalle lagen. Dieser wurde nicht wie angenommen wegen der Abwehr von Wasserfluten oder Grabräuber gebaut, sondern als Verschluss für den Schachtraum. Der Schachtraum wurde von Thutmosis III bis Sethos I im Durchgang zum 3. Korridor vermauert, und bis einschließlich Haremhab zur 1. Pfeilerhalle hin vermauert, verputzt und bemalt. Der Eingang und der Ausgang des Schachtraumes liegen sich nicht gegenüber. Der Zugang zur 1. Pfeilerhalle ist nach links verschoben und liegt demnach nicht gegenüber dem Zugang des 3. Korridors. Aja bildet eine Ausnahme. Dort ist der Zugang zur 1. Pfeilerhalle nach rechts verschoben. Dies begründet die Ausrichtung des darauffolgenden Raumes. Ist der darauffolgende Raum nach links gesetzt, so ist der Zugang auch links angebracht. Ist der darauffolgende Raum nach rechts ausgerichtet, so ist der Zugang auch rechts angelegt. Ab Ramses II bis Ramses XI wurde der Durchgang zum 3. Korridor und zur 1. Pfeilerhalle mit doppelflügige Türen verschlossen. Die Verankerung im Fels zur Befestigung der Türen ist unterschiedlich gewählt worden. Es sind nicht überall Türzapfenlöcher und Holzteile von Balken zu erkennen. Bei Thutmosis IV und Aja befindet sich eine Art brauner Kleber aus Wurzel- oder Baumharz in der Region der Schalungsbretter. Diese sollten wahrscheinlich als Halt und Abschluss des Putzmörtels am Sturz des Durchgangs zur 1. Pfeilerhalle dienen. Nach Untersuchungen ist der Putzmörtel bei Amenophis III eine Gips-Kalkmischung mit einer Zugabe von wahrscheinlich tierischen Eiweißen und einer geringen Zugabe von quarzhaltigen Materialien. Die Tür wurde stets vom 3. Korridor aus verschlossen. Einzige Ausnahme ist Ramses IV. Dort musste durch eine technische Planänderung der Schachtraum anderweitig verschlossen werden. Der Schachtraum wurde stets vor der Bearbeitung der Sarkophaghalle ausgearbeitet.. Somit wäre es schwierig gewesen die Türen, die in der Luft hängen würden, zu schließen, da der Weg bis zum Schachtraum mit einem Steg überbrückt wurde. Bei Merenptah, Sethos II, Tausret und Ramses III wurde deshalb im Durchgang zum 3. Korridor und zur 1. Pfeilerhalle ein korridorähnliches Teilstück an den Schachtraum angefügt, um die Türen nicht in den Schachtraum oder in den Durchgängen hineinragen, sondern an den Wänden anliegen zu lassen. Bei Ramses IV, Ramses IX und Ramses XI wurde das selbe Prinzip nur beim Durchgang zur 1. Pfeilerhalle angewendet. Dies diente wahrscheinlich nur dem optischen Zwecke. Der Schachtraum wurde als einziger Raum neben der Sarkophaghalle mit Nebenräumen vollständig verschlossen und somit besonders durch die unterschiedlichen Verschlussmethoden betont. Die Dekorationen der Königsgräber unterscheiden sich in der Entwicklung deutlich. Der Schachtraum, der Vorraum sowie die Sarkophaghalle werden, soweit die Räumlichkeiten vorhanden sind, von Thutmosis III bis Amenophis III mittels bemaltem Putz dekoriert.

Amenophis IV bildet eine Ausnahme in der Gestaltung der Wände und Pfeiler. Er verwendet statt die bisherigen Götter- und Königsdarstellungen Motive des alltäglichen Lebens, wie sie aus Beamtengräbern bekannt sind, wie Jagd, Totenklage und Begräbniszüge. Bei Tutanchamun und Aja kommt es zu einer Mischung der Motive. Es werden wie bei Amenophis IV Motive aus Beamtengräbern zur Pfeiler-und Wanddarstellung gewählt und es werden wieder Götterdarstellungen aufgegriffen, die vor Amenophis IV zur Ausschmückung des Königsgrabes üblich waren. Das Königsgrab des Haremhab weist wesentliche Neuerungen auf. Von nun an werden erstmalig die Wände in Relief bearbeitet. Die Dekoration wird von der Amarna-Periode wieder aufgegriffen. Die Unterweltbücher werden nicht wie bisher an den Wänden hintereinander komplett abgerollt, sondern an verschiedenen Positionen im Königsgrab angebracht.

Das Grab des Sethos I enthält weitere wesentliche Neuerungen. Erstmals ist das gesamte Königsgrab in Relief bearbeitet einschließlich Korridore und Nebenräume. Außerdem sind Pfeiler in Flachrelief dekoriert worden. Der dem Schachtraum angrenzende 3. Korridor ist von nun an mit der 4. und 5. Stunde des Amduat, der 1. Pfeilersaal mit der 4. und 5. Stunde des Pfortenbuches dekoriert. Bis Ramses II wird die Sarkophaghalle nun Auszüge des Pfortenbuches enthalten-nicht wie in der Voramarnazeit das Amduat. Weiterhin bestimmen Jenseitsbücher und Szenen des Rituals die Bild- und Textaussagen der gesamten Entwicklung der Königsgräber im Neuen Reich, sowie das Ritual als Aussage des Schachtraumes. Die gesamte Innenarchitektur des Königsgrabes Sethos I lässt die Vermutung zu, es sollte die Unterwelt nachahmen was bei seinen Vorgängern nicht zu vermuten ist. Die Decke der Sarkophaghalle ist erstmals als Tonnengewölbe ausgearbeitet worden und der Sarkophag nicht mehr in Kastengestalt angelegt, sondern anthropomorph in menschenähnlicher Gestalt. Merenptah hingegen wird Vorbild der 19. und 20. Dynastie. Der Eingang ist erstmalig representativ angelegt, nicht wie bei vorherigen Herrschern versteckt. Die Anzahl der Nebenräume ist vermindert, aber dafür werden die Korridore und die Sarkophaghalle erweitert. Schacht und Treppen sind aufgegeben worden. Die Dekorationsweise der Wände und Pfeiler wird bis auf den Schachtraum beibehalten. Dieser wird nur mit Götterfiguren dekoriert anders wie bei seinen Vorgängern zusammen mit Königsmotive. Diese verschwinden bis Ramses III aus dem Schachtraum. Es sind nur noch Königskartuschen mit kurzen Beischriften zu finden. Diese weisen im Fortgang der Entwicklung ab Merenptah eine stärkere Verehrung des Osiris auf. Von Thutmosis IV bis einschließlich Ramses II ist der König stets zusammen mit Götterfiguren, die allmählich erweitert wurden, abgebildet. Ab Merenptah bis einschließlich Ramses III wird die Königsfigur ganz aufgegeben und stattdessen die Götter Osiris, Anubis, Inmutef, die Horussöhne sowie die Kanopengöttinen und bei Merenptah außerdem Cheribakef und Mechenti-irti dargestellt. Der Schachtraum ist nach unten hin in der Dekoration in Form von Streifen oder Ornamenten scharf abgegrenzt. Somit entstehen zwei sichtbar Teile im Raum, die laut Abitz zusammen gehören und dem eine religiöse Bedeutung zuzukommen ist.(103) Sethos II weicht wie sein Vorgänger Merneptah von der Gestaltung des Schachtraumes ab. Er verwendet statt Götterdarstellungen Götterstatuen wie sie aus dem Grab des Tutanchamun bekannt sind. Ansonsten übernimmt er die Dekorationsweisen seiner Vorgänger. Amenmesse, Siptah, Tausret und Ramses III halten den Stil bei, jedoch tauchen bei Amenmesse Darstellungen seiner Gemahlin Beketwerner zusammen mit Götterdarstellungen im 1. Pfeilersaal auf und Tausret hängt eine zweite Pfeilerhalle an die erste an, die architektonisch mit der Ersten übereinstimmt. Eine letzte Entwicklungsphase taucht bei Ramses IV auf. Die Zahl der Räume ist stark vermindert. Auf diverse Nebenräume mit Pfeilern wird verzichtet. Dafür hat der Sarkophag eine Größenordnung von 17 m, was bisher noch nicht im Neuen Reich aufgetreten ist. Demnach mussten die Korridore in der Breite und der Höhe stark erweitert werden. Im Gegensatz zu den Vorgängern ist der Schachtraum wieder rechteckig ohne korridorähnliche Zusätze angelegt. Wahrscheinlich durch eine Planänderung verursacht, wurde der Schachtraum zur 1. Pfeilerhalle hin erstmals durch eine Tür von innen verschlossen. Ramses VI greift den Grundriss der 19. Dynastie wieder auf, jedoch ohne Nebenräume. Die Pfeilerhalle rückt vor die Sargkammer. Im weiteren Verlauf bis Ramses XI bleibt der bisherige Stil in der Architektur erhalten. Eine Veränderung hinsichtlich des Schachtraumes ist bei Ramses XI zu vermerken. Dieser wird nicht wie üblich rechteckig ausgearbeitet sondern quadratisch.