Götter Ägypten

Ich glaube, also bin ich – die Götterwelt im Alten Ägypten

Im Reich der Pharaonen war der Alltag der Menschen gänzlich durchdrungen von der Überzeugung, eingebettet zu sein in eine Welt, die in allen Details von Göttern geprägt und gestaltet ist. Das Diesseits galt nur als eine Zwischenstation auf dem Weg in die Obhut der Götter, in ein perfekt organisiertes, ewiges Leben.Die Welt der Mystik umfasste alle Bereiche des Daseins, Götter waren den Bürgern des Alten Ägypten stets allgegenwärtig. Der unerschütterliche Glaube an einen ganzen Kosmos von Göttern sorgte für Ordnung und Ruhe im Dasein der Menschen, sie waren sich sicher, diese haben die Welt geschaffen, garantieren deren Fortbestand und damit auch das Leben jedes einzelnen Ägypters.

Die pharaonischen Ägypter behielten die Übersicht über hunderte verschiedener Götter, jeder davon war für bestimmte Aufgaben und Lebensbereiche zuständig. In Menschen- oder Tiergestalt lenkten sie das Leben der Menschen, als Gegenleistung erwarteten sie täglichen Dank und immerwährende Verehrung.

Die prächtigen Tempel, die das heutige Ägypten zu einem so attraktiven Reiseziel machen, wurden einst als ihre Wohnstätten errichtet. Priester versorgten sie mit Nahrung und Ehrerbietung, insbesondere demonstrierten sie die ständige Verbundenheit des Pharao mit der jenseitigen Welt. Anders als heute war ihr Anliegen das Wohlergehen der Götter, nicht etwa die Sicherung der Glaubensfestigkeit der Bürger.

Jeder Gott hatte sein eigenes Zuhause, seinen eigenen Tempel, in dem seine Ikone in Form einer Malerei oder einer Statue verehrt werden konnte. Dabei wurden den Göttern durchaus irdische Bedürfnisse zugesprochen. Braten, Brot und Kuchen; Bier, Wein und Naschereien – den Herren der Welt wurde angeboten, wovon der normale Bürger allenfalls an hohen Festtagen träumen durfte. Da die Köstlichkeiten naturgemäß nicht wirklich in den Mägen der Götter landeten, durften sich bedürftige Ägypter daran laben. Jeden Monat gab es acht Feiertage, an denen die Götter besonders reich bedacht wurden und also auch die Bürger in den Genuss ausgesuchter Leckereien kamen.

Der Herr der ägyptischen Götterwelt und Vater aller Götter war Re oder Amun-Re, der Gott der Sonne. Jeden Tag erlebten die Ägypter sein Erscheinen und damit den Beweis seiner Macht. Eine besondere Rolle spielte Maat, die Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit. Auf vielen Abbildungen ist sie mit einer Straußenfeder zu sehen, die sie auf dem Kopf trägt und bei einer alles entscheidenden Tätigkeit benutzt. Jeder verstorbene Ägypter hatte sich ihrem Urteil zu stellen: sein Herz wurde gegen ihre Straußenfeder abgewogen und wehe, es war schwerer – dann hatte er ein sündiges Leben geführt und der Eingang in das paradiesische Reich der Toten blieb ihm verwehrt. Jeder Ägypter war bemüht, sich durch seine Lebensführung auf diese Stunde der Wahrheit vorzubereiten. Der Pharao, der sich selbst der Götterwelt zugehörig fühlte, war dem strikten Gerechtigkeitsideal der Maat ebenfalls verpflichtet und übertrug es auf das irdische Regelwerk seines Reiches.