Opfer und Opfergaben

In welcher Art und Weise opferte das ägyptische Volk in der Pharaonenzeit?

Über Opferungen und deren Rituale des ägyptischen Volkes ist den Wissenschaftlern wenig bekannt, da wenige Funde datiert sind. Klar ist jedoch, dass das allgemeine Volk auch Opferrituale praktiziert hat.Verehrt wurden typische Götter wie Thoeris und Bes, neben unzähligen weiteren.

Thoeris hat die Erscheinung eines Nilpferdes mit Elementen von Krokodil und Löwe. Sie wurde hauptsächlich von Frauen angerufen, die verzweifelt auf ein Kind warten. Frauen, die kinderlos waren oder unfruchtbar, mussten die Sicherheit in ihrer Ehe fürchten. Außerdem sicherte die Geburt eines Kindes den Stand und das Wohlergehen ihres Geistes nach dem Tode. Somit kann man sich vorstellen, wie schrecklich die Vorstellung für Frauen gewesen sein muss, kinderlos zu bleiben. Denn das Grausamste und Schlimmste für einen damaligen ägypttischen Staatsbürger und auch für den Pharao selbst war es, dass die Seele nach dem Tode nicht wiederauferstehen und weiterleben kann.

Eine typische Votivgabe solcher verzweifelten Frauen und von werdenden Müttern waren Fruchtbarkeitsfigurinen. Man opferte diese der Thoeris oder der Göttin Hathor.

Die Göttin Hathor wird auch "Muttergottheit" bezeichnet. Sie wurde mit Liebe, Musik, Sexualität, Tanz, Fruchtbarkeit und Alkohol assoziiert. Hathor besitzt verschiedene Erscheinungsformen.  Entweder wird sie als Menschengestalt, als Kuh oder als Frau mit Kuhohren dargestellt und besitzt die Beinamen "Herrin der Berge des Westens", "Herrin von Byblos", "Herrin des Westens", "Herrin der Fayence" und "Herrin des Türkis".

Holz, Ton und Fayence waren die vorwiegend verarbeiteten Materialien der Fruchtbarkeitsfigurinen. Bei der Herstellung wurde besonders auf die Verarbeitung der Brüste und des Beckens geachtet. Diese wurden besonders betont. Die Figuren waren in einigen Fällen mit einer Beschriftung versehen, die eine Bitte einer Frau um ein Kind beinhaltet. Geopfert wurden diese an verschiedenen Stellen wie in Opfersälen der Totentempel oder zu Hause, in einem dafür vorgesehenen Hausschrein. Diese Hausschreine waren meist im Aufenthaltsraum zu finden, dort wo sich die Familien am meisten aufhielt.

In griechisch-römischer Zeit entblößten Frauen ihre Genitalien vor der Kultstatue der Hathor um ihre Gunst zu erwerben. Dabei wurden auch Amulette getragen oder diese mit als Opfer dargebracht. Es wurden auch Abbilder von Gottheiten wie Bes, Thoeris oder Hathor, sowie Nachbildungen eines Penis oder Brüste geopfert.
In Achet-Aton beispielsweise wurde ein Versteck mit Votivgaben unter einer Treppe eines Hauses gefunden. Es enthielt eine Stele mit einer Frau und einem Kind, die die Hausgöttin Thoeris anbeten. Weiterhin hat man in diesem Versteck zwei zerbrochene weibliche Figurinen und zwei Modelle von Betten gefunden. Bei diesem Versteck handelt es sich höchst wahrscheinlich um einen versteckten Hausschrein.

Die Gottheit Bes, ein löwengestaltiger Zwerg, steht für die Vertreibung von Schlangen und war demnach eine häufig verehrte Gottheit der allgemeinen Bevölkerung.

Es war auch wichtig der Toten zu gedenken, da man glaubte, dass diese einen Einfluss auf das Leben haben. Die Ehrung der Ahnen erfolgte zu besonderen Anlässen wie dem des jährlichen "schönen Fest des Wüstentales", wo die Familien zu den Gräbern gingen und ein Mahl mit ihren verstorbenen Verwandten einnahmen.
Auch zu Hause verehrten sie ihre Ahnen. Schreine und Büsten dienten als "Kontaktstelle" zwischen ihnen.
Man hat ca. 140 Büsten in Privathäusern und andernorts gefunden, allesamt aus Altägypten und im ganzen Land verteilt. Eine Vielzahl davon hat man in Deir el-Medina gefunden. Ihr Sinn ist noch nicht genau geklärt, aber die Wissenschaft geht davon aus, dass diese, wie schon vorher erwähnt, zur Ahnen verehrung dienten. Sie bestehen größtenteils aus Ton, Kalk; Holz, Sandstein oder Fayence und sind teils farblich bemalt. Ihre Größe variiert von 1cm bis 28cm. Bei fünf Büsten handelt es sich um Doppelbüsten. Die Büsten sind bis zu einer schulterähnlichen Basis modelliert, so dass es schwer ist, geschlechtsspezifissche Unterschiede zu deuten. Lediglich die Farbgebung könnte Aufschluss darüber geben. Die Farbe Rot ist meistens mit Männern in dieser Ziet assoziiert. Diese These wird jedoch sehr kritisch beäugt. Manche Büsten tragen eine Kopfbedeckung, bei manchen fehlt diese. Auch ein Kragen ist modelliert. Manchmal mit hängenden Lotusblüten und Knospen vorn und dreiteiligen Perücken.
Tonschüsseln beinhalten Opfergaben und waren manchmal mit Texten versehen. Wenn der Tote die Opfergaben "verzehrte", kam so der Text zum Vorschein. Diese Texte waren meist Brife an die Ahnen, die diese dann, nachdem sie die Opfergaben verzehrt hatten, lesen würden.
So stand in einem Brief aus dem Alten Reich von einer Tochter an ihren verstorbenen Vater:
"Sorge dafür, dass mir ein gesunder Sohn geboren wird.
Denn du bist jetzt ein Akh iker (hervorragender Geist)".
Opfergaben waren z.B. Täglich frische Nahrungsmittel, Tiere oder Wein.