Zabbalin

Die Müllstadt der Kopten

Von Sehenswürdigkeit kann man bei der Müllstadt nicht wirklich sprechen, nicht zuletzt, weil es den dort lebenden Menschen, den Zabbalin, gegenbüber zu despektierlich sein würde. Dennoch können Sie hier etwas sehr Einzigartiges besichtigen. Zumindest wenn Sie hindurchfahren. Und glauben Sie mir: Mehr als durchfahren möchten Sie nicht – der Gestank ist unerträglich!
Die Müllberge türmen sich vor den Hauseingängen.
Lastwagen werden so voll gepackt wie möglich.
Die Zabbalin - koptische Christen. Ein Leben im und vom Müll.
Mitte / Ende der 40er Jahre zogen vor allem koptische Christen aus Mittelägypten nach Kairo, auf der Suche nach Arbeit. Aber auch in Kairo blieben Sie weiterhin arbeitslos. Und so fingen Sie an, den Unrat und Müll der Bevölkerung Kairos gegen eine geringe Entlohnung einzusammeln und zu verwerten.So karrten Sie, damals und noch bis vor wenigen Jahren, jede Art von Müll auf kleinen Eselskarren in Ihr Viertel am Mokattam. Wie uns unser Fahrer erzählte, fahren noch heute die Männer mit Ihren Söhnen früh morgens in die Stadt. Heutzutage nutzen die Zabbalin alte Laster, die schon selber fast auf den Müll gehören. Erstaunlich, wie diese alten Vehicel täglich mit diesen unheimlichen Lasten die Berge erklimmen.

Der Müll, der täglichen von den Männern nach Hause gekarrt wird, wird schließlich von den Frauen und Töchtern mit bloßen Händen verlesen und nach gewissen Wertstoffen aussortiert. Sie können sich vorstellen unter welch katastrophalen hygienischen Bedingungen dies geschieht. Infektionen sind hier an der Tagesordnung. Die naturalen Wertstoffe werden an die von den Kopten gehaltenen Schweinen verfüttert. Der Rest wird soweit wie möglich an Altwarenhändler verkauft.

Über 60.000 Menschen wohnen heutzutage in den koptischen Siedlungen. Die meisten Behausungen sind einfache Wellblechhütten, teilweise auch einfache Häuser. Was man nicht glauben kann, ist der unglaubliche Gestank nach Müll. Die Menschen, die dort Tag und Nacht darin leben, werden diesen Geruch wohl kaum noch wahrnehmen. Es ist tatsächlich nur möglich mit geschlossenen Autofenstern durch die Straßen zu fahren. Der Geruch, der uns kurzzeitig in die Nasen steigt, bleibt auch noch Stunden danach in unseren Köpfen.

Diese Missstände werden von der übrigen ägyptischen Bevölkerung größtenteils nicht wahrgenommen bzw. ignoriert. Dennoch gibt es einige engagierte Ägypter, die hier 1984 die Association for the Protecting of the Enviroment errichteten. Diese Vereinigung baute zunächst eine Kompostierungsanlage, die den bis dato unbehandelten Schweinedünger zu hochwertigen Dünger verarbeitete. Diese Kompostierungsanlage wurde mit der Zeit an einen anderen Ort verlegt, da es hier zu sehr starken Geruchsbelästigungen kam. Heute sind in der Gegend verschiedene Projekte zur Förderung der sozialen Integration zu finden. Dazu gehören eine Schule für Teppichknüpferei, eine Anlage für Papier-Recycling und diverse Unterrichtsräume, in denen vor allem junge Mädchen gefördert und unterrichtet werden. Zum Unterrichtsprogramm zählen auch grundsätzlich Dinge wie Behauptung in der Gesellschaft, Hygiene, Lesen und Schreiben etc..

Wenn Sie sich selber mal auf den Weg in die Müllstadt machen möchten, sollte sich am besten einen Fahrer nehmen, der Sie das kurze Stück durch die Stadt bringt in das religiöse Zentrum der Müllstadt mit beeindruckenden Felsenkirchen...

Zabbalin

Die Müllstadt der Kopten